Fragen und Antworten zum Endlager Konrad und zur ÜsiKo

Was ist das Endlager Konrad?

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist seit April 2017 für die Errichtung, den Betrieb und die Schließung des Endlagers Konrad in Salzgitter in Niedersachsen verantwortlich. Es ist für schwach- und mittelradioaktive Abfälle geplant. Diese fallen vor allem beim Betrieb und Rückbau von Kernkraftwerken an, aber auch in Forschungseinrichtungen, in der Industrie und Medizin.

Schacht Konrad wurde 2002 als erstes Endlager nach dem bundesdeutschen Atomrecht genehmigt. 2007 hat das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss bestätigt, seither ist er rechtskräftig. Das ehemalige Eisenerzbergwerk wird derzeit zum Endlager um- und ausgebaut. Anschließend sollen bis zu 303.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung, also schwach- und mittelradioaktive Abfälle, endgelagert werden.

Das Endlager Konrad soll bis 2027 fertig gestellt werden. Die prognostizierten Kosten für die in etwa 1.000 Meter Tiefe errichteten Einlagerungskammern und die gesamte technische Infrastruktur zur sicheren Handhabung der Gebinde mit radioaktiven Abfällen liegen bei rund 4,2 Milliarden Euro. Das sind die reinen Baukosten. Die Betriebskosten sind noch nicht eingerechnet.

Was ist die ÜsiKo?

Die Überprüfung der Einhaltung der sicherheitstechnischen Anforderungen des Endlagers Konrad nach dem Stand von Wissenschaft und Technik (ÜsiKo) ist die erste ihrer Art. Als verantwortungsvoller Betreiber führt die BGE das bereits vom vorhergehenden Betreiber, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), begonnene freiwillige Überprüfungsverfahren fort. Das Land Niedersachsen hat am 22. Mai 2002 den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Die Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses war der damalige Stand von Wissenschaft und Technik.

Mit der ÜsiKo soll nun in mehreren Phasen ermittelt werden, ob es eine sicherheitsrelevante Abweichung zwischen dem damaligen und dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik gibt. In der ersten Phase, die nun abgeschlossen werden soll, wird zunächst der Überprüfungsbedarf ermittelt. Es geht also um die Frage, ob sich aus dem veränderten Stand von Wissenschaft und Technik sicherheitsrelevante Auswirkungen auf Sicherheitsanalysen des Endlagers Konrad ergeben. Nur dort, wo in der Phase 1 der ÜsiKo ein Überprüfungsbedarf festgestellt wurde, werden in einer folgenden Phase 2 der ÜsiKo vertiefte Betrachtungen angestellt, und die betreffende Sicherheitsanalyse wird gegebenenfalls aktualisiert.


Wie ist der aktuelle Stand der ÜsiKo?

In der ersten Phase der ÜsiKo haben sechs Forschungsinstitute und Ingenieurbüros vier Themenkomplexe bearbeitet. Die Auftragnehmer wurden im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung gewonnen. Dabei wurden besondere Anforderungen an die fachliche Kompetenz der Bewerber gestellt. Die Themenkomplexe sind: Sicherheitsanalyse des bestimmungsgemäßen Betriebs (Brenk Systemplanung GmbH), Störfallanalyse (DMT GmbH & Co. KG, DSR Ingenieurgesellschaft mbH), Sicherheitsanalyse Sicherstellung der Unterkritikalität in der Betriebsphase (TÜV Rheinland Industrie Service GmbH) und Sicherheitsanalyse der Nachbetriebsphase (Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit GRS gGmbH, AF.Consult Switzerland Ltd., DMT GmbH & Co. KG). Nach der Vorlage von Entwürfen für die Berichte hat die BGE ein Team aus vier Wissenschaftlern mit einem Review beauftragt.

Das Review-Team, das sich durch fachliche Kompetenz und Unabhängigkeit auszeichnet, besteht aus: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Röhlig (Institut für Endlagerforschung, TU Clausthal), Christian Küppers (Nukleartechnik und Anlagensicherheit, Öko-Institut e.V. Darmstadt), Prof. Dr. Thorsten Schäfer (Institut für Geowissenschaft/Angewandte Geologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena), Prof. Dr. Clemens Walther, Institut für Radioökologie und Strahlenschutz, Leibniz-Universität Hannover). Dieser vorläufige Sachstand wird der Fachöffentlichkeit am 23. Januar 2019 in Braunschweig präsentiert, bevor eine weitere Überarbeitung erfolgt, um die Abschlussberichte für die Phase 1 zu erarbeiten.

Was bedeutet Nachbetriebsphase?

Das ist der Zeitraum, nachdem die radioaktiven Abfälle unter Tage ins Endlager Konrad gebracht worden sind, die Einlagerungskammern mit Spezialbeton versetzt, weitere Hohlräume verfüllt und die beiden Schächte des Endlagers sicher verschlossen worden sind.

Das Ziel der Endlagerung ist es, die radioaktiven Abfälle dauerhaft in tiefen geologischen Formationen sicher einzuschließen. Um den Nachweis zu erbringen, dass dieses Ziel erreicht wird, wurde im Rahmen des Genehmigungsverfahrens mit Hilfe geowissenschaftlicher Methoden die Langzeitentwicklung des Endlagers Konrad prognostiziert. In Modellrechnungen wurde die Ausbreitung von Radionukliden aus dem Endlager bis in das oberflächennahe Grundwasser betrachtet und bewertet.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die nach dem Atomgesetz notwendigen Sicherheitsnachweise erfolgreich erbracht wurden und alle Dosiswerte dauerhaft eingehalten werden. Beim Endlager Konrad wird die Langzeitsicherheit durch die besonderen geologischen Bedingungen sowie den sicheren Verschluss der beiden Schächte gewährleistet.

Warum ist das Standortauswahlverfahren kein Thema der ÜsiKo?

Die ÜsiKo betrachtet das geplante und genehmigte Endlager Konrad und nicht das Verfahren bis zur Planfeststellung. In der ÜsiKo geht es um Sicherheitsanalysen und damit um die Sicherheit des Endlagers Konrad. Die Frage, wie der Standort ausgewählt worden ist, hat keinen Einfluss auf die Sicherheitsanalysen.

Warum wird das Endlager Konrad in einem alten Gewinnungsbergwerk errichtet?

Alle Einlagerungskammern sowie der größte Teil der untertägigen Infrastrukturräume werden in noch nicht verritzten Teilen der Lagerstätte – also den Teilen, die nicht für die Rohstoffförderung genutzt worden sind - neu aufgefahren. Für die Endlagerung der radioaktiven Abfälle werden keine alten Grubenräume genutzt. Lediglich die bestehenden Schächte und einige Infrastrukturstrecken werden nach der Umrüstung für den Endlagerbetrieb weiter benutzt.

Warum wird das Endlager Konrad ohne Rückholbarkeit errichtet?

Das Konzept der nicht-rückholbaren Lagerung bietet für das Endlager Konrad die höchstmögliche Sicherheit für die Beschäftigten und die Umwelt. Eine Rückholbarkeit wäre „mit höheren Umweltauswirkungen verbunden, da auch langfristig noch betriebliche Ableitungen aus den Einlagerungsbereichen zu erwarten sind, die beim Versetzen der Abfälle und dem Abschluss der Einlagerungskammern entfallen oder bis zum Abschluss des Endlagers gegen die Biosphäre deutlich reduziert werden“, stellte auch die Genehmigungsbehörde, das niedersächsische Umweltministerium im Jahr 2002 im Planfeststellungsbeschluss fest (Abschnitt C I - 14). „Eine rückholbare Lagerung erfordert außerdem zusätzliche Arbeiten und Kontrollmaßnahmen, die mit zusätzlichen Strahlenexpositionen für das Personal verbunden sind."

Im Jahr 2010 sind die „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“ vom Bundesumweltministerium (BMU) veröffentlicht worden. Zur Rückholbarkeit wird hier eindeutig formuliert, dass im Falle einer gleichzeitigen Einlagerung auch von Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung, also solcher Abfälle wie sie im Endlager Konrad eingelagert werden sollen, die Anforderungen zur Rückholbarkeit für diese Abfälle nicht einzuhalten sind. 

Was ist mit den Transporten zum Endlager Konrad?

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit mbH (GRS) hat im Auftrag des Bundes im Jahr 2009 die Transportstudie Konrad erstellt. Im Jahr 2012 wurde im Auftrag der Stadt Salzgitter die Transportstudie Konrad einer fachlichen Bewertung durch das Gutachterbüro intac GmbH unterzogen, zu der die GRS wiederum Stellung genommen hat. Die GRS hat im Rahmen ihrer Neubewertung (Transportstudie Konrad, 2009) gezeigt, dass die in der Standortregion des Endlagers Konrad zusammenlaufenden Abfalltransporte kein ins Gewicht fallendes radiologisches Risiko für die Bevölkerung, das Transportpersonal und die Umwelt darstellen.

Dies gilt sowohl für den normalen Transport als auch für Transportunfälle. Am 14.7.2015 hat das BfS alle beteiligten Akteure im Rahmen des Fachworkshops „Transportstudie Konrad“ zusammengebracht. Ziel des Fachworkshops war es, die fachlichen Konsense und Dissense zu identifizieren, Zuständigkeiten für die einzelnen Themenkomplexe festzustellen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das BMU hat sich hinsichtlich der Fragestellung der Stadt Braunschweig, wann mit einer Aktualisierung der TSK zu rechnen sei wie folgt geäußert: Um das Inventar der Abfallgebinde möglichst realistisch berücksichtigen zu können und somit im Vergleich zu früheren Studien insbesondere Abschätzungen zum Inventar konkretisieren zu können, soll eine aktualisierte TSK möglichst zeitnah zur Inbetriebnahme des Endlagers erfolgen

Warum wird ein Bereitstellungslager für das Endlager Konrad geplant?

Ein Bereitstellungslager ist durch das Entsorgungsübergangsgesetz vorgesehen und wird im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD nochmals bekräftigt.

Der Planfeststellungsbeschluss für das Endlager Konrad sieht eine kontinuierliche Anlieferung der Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung vor, die ohne weitere Zwischenlagerung nach den erforderlichen Eingangsüberprüfungen untertägig endgelagert werden sollen. Drüber hinaus enthält der Planfeststellungsbeschluss eine Reihe wichtiger und detaillierter Vorgaben, welche Arten von Abfällen und Gebinden in welcher Anzahl zusammen eingelagert werden dürfen. Ein zentrales Bereitstellungslager würde die Anlieferung der Abfallgebinde schneller und einfacher machen. Es ist jedoch keine notwendige Bedingung für den Betrieb des Endlagers Konrad. Allerdings ermöglicht das Bereitstellungslager einen effizienten Zweischicht-Betrieb, der für die Einlagerung angestrebt wird. Die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung plant das Bereitstellungslager. Sie wird es auch errichten und betreiben.

Arbeiten in der künftigen Einlagerungsstrecke Nord im Endlager Schacht Konrad

Vermessungsarbeiten in der Einlagerungstransportstrecke. Hier fährt im späteren Betrieb das Transportfahrzeug mit den Abfallbehältern vom Schacht zu den Einlagerungskammern.

Für die Sanierung des Schachtes Konrad 2 müssen die Bergleute mit einem kleinen Korb auskommen

Für die Sanierung des Schachtes Konrad 2 müssen die Bergleute mit einem kleinen Korb auskommen. Die Anlage kann nur langsam ein- und ausfahren, daher dauert eine Fahrt auf 850 Meter Tiefe rund 15 Minuten.

Eine Besuchergruppe schaut sich die Ausstellung in der Info Konrad an

Eine Besuchergruppe in der Info Konrad

Info Konrad

Wenn Sie sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten unter Tage machen wollen, laden wir Sie herzlich zu einer Befahrung der Schachtanlage Konrad ein.

Werfen Sie einen Blick in die wesentlichen Bauprojekte und erleben Sie die klimatischen Bedingungen der Bergleute. Für weitere Informationen und für Anmeldungen kontaktieren Sie bitte die Info Konrad.