Aktuelle Arbeiten - Schachtanlage Asse II

Übersicht über die wesentlichen Arbeiten im Juni 2021
 

Stabilisierung und Notfallplanung

Die Rückholung kann nur in einem langfristig stabilen Bergwerk erfolgen. Zudem müssen Vorbereitungen für einen möglichen Notfall getroffen werden.

  • Im Zuge der Vorsorgemaßnahmen soll auf der 725-Meter-Ebene (Sohle) in einer Strecke nach Norden eine Strömungsbarriere gebaut werden. Dazu müssen die Wege, über die sich Luft im Bergwerk verteilt (Wetterführung), verändert werden. Im Mai wurde bereits eine rund 200 Meter lange Bohrung erstellt, die radonhaltige Luft aus der Einlagerungskammer 7 in 725 Metern Tiefe zur 511-Meter-Ebene führen wird. Jetzt werden die Anschlüsse an das Gesamtsystem erstellt. Dazu sind kleinere Bohr- und Anschlussarbeiten an die bestehenden Luftleitungssysteme (Wetterlutten) nötig. Weitere Informationen dazu finden Sie unter dem Punkt Strahlenschutz.
     
  • Unterhalb der 800-Meter-Ebene werden weiterhin Kavernenstrecken hergerichtet. In den Strecken können Lösungen gespeichert werden, die zum Beispiel nicht planmäßig nach über Tage abgegeben werden können. Für die Verschlussbauwerke am Zugang der Kavernenstrecke B sind jetzt die ersten beiden Schalungsmauern entstanden.
     

Faktenerhebung

Die Einlagerungskammern 7 und 12 auf der 750-Meter-Ebene werden mit Bohrungen erkundet. Die Erkundung der Kammer 7 wurde abgeschlossen. Die Erkundung der Kammer 12 wird vorbereitet.
 

  • Die Mitarbeiter*innen der Arbeitsgruppe Faktenerhebung richten das Bohrort für die Bohrarbeiten zur Einlagerungskammer 12 auf der 750-Meter-Ebene weiter ein. Die Bohranlage und der Arbeitsbereich werden weiter für den Beginn der Arbeiten hergerichtet. Im Juni betreffen die Arbeiten hauptsächlich eine technische Anlage mit deren Hilfe schwer reagierendes Gas (Inertgas) in die Bohrlöcher geleitet werden kann. In diesem Fall wird Stickstoff eingesetzt. Dieser sorgt dafür, dass einem möglichen Feuer der Sauerstoff entzogen wird. Das ist eine wesentliche Sicherheitseinrichtung für den Fall eines möglichen Brandes in der Einlagerungskammer.

Rückholungsplanung

Die Bergung der Abfälle erfolgt je nach Einlagerungskammer mit unterschiedlichen Techniken.

  • Der Beleuchtungsprozess zur Standortentscheidung für das Zwischenlager läuft weiter. Der Prozess wird durch das Niedersächsische Umweltministerium koordiniert. Weitere Informationen zum Beleuchtungsprozess finden Sie auf der Internetseite des Umweltministerium.
     
  • Aufbauend auf der Konzeptplanung zur Rückholung der Abfälle von der 750-Meter-Ebene wurde die Ausschreibung für die Entwurfsplanung veröffentlicht.
     
  • Die Arbeiten zur Entwurfsplanung der Rückholung der Abfälle aus der Einlagerungskammer 7 auf der 725-Meter-Ebene wurden vergeben und werden in Kürze starten.
     

Rückholungsbergwerk und Schacht Asse 5

Für die Rückholung müssen neue Infrastrukturräume und Zugänge zum bestehenden Bergwerk sowie ein Bergungsschacht (Schacht Asse 5) errichtet werden.

  • Die Erkundungsbohrungen im äußersten Osten der 700-Meter-Ebene sind abgeschlossen. Ab Herbst 2021 sollen zwischen den Bohrungen der 574- und 700-Meter-Ebene noch tomographischen Messungen durchgeführt werden.
     
  • Östlich der Schachtanlage Asse II hat die erste abgelenkte Bohrung ihre Endlänge von 1.100 Metern erreicht. Das Messprogramm wurde abgeschlossen und die Bohrung wieder bis zum Ablenkpunkt der zweiten Bohrung verfüllt. Derzeit wird die zweite abgelenkte Bohrung vorbereitet. Weitere Informationen zu den Bohrungen finden Sie in der Pressemitteilung vom 22. Januar 2021.
     

Lösungsmanagement

In die Schachtanlage Asse II dringen salzhaltige Lösungen aus dem Deckgebirge ein. Das Lösungsmanagement regelt den Umgang mit diesen Lösungen.

  • Rund 251 Kubikmeter Salzlösung wurden Anfang des Monats nach erfolgter Freigabe gemäß § 31 ff der Strahlenschutzverordnung nach über Tage gebracht. Die abgegebene Lösung stammt von der Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene. In der Charge 2021/09 werden weder Tritium noch Cäsium-137 nachgewiesen. Die Nachweisgrenzen liegen bei 7,8 Becquerel pro Liter für Tritium und 0,56 Becquerel pro Liter für Cäsium-137. Mit der Nachweisgrenze wird derjenige Wert eines Messverfahrens bezeichnet, bis zu dem die Messgröße (zum Beispiel die spezifische Aktivität von Radionukliden einer Flüssigkeitsprobe) gerade noch zuverlässig nachgewiesen werden kann. Sie ist ein Maß für die Empfindlichkeit des gewählten Analyseverfahrens. Wenn Aktivitätskonzentrationen von Radionukliden so niedrig sind, dass sie nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden konnten, wird die sogenannte Nachweisgrenze angegeben. Sie zeigt die maximal mögliche Aktivität an, die theoretisch noch in einer Probe vorhanden sein könnte.
     

Standortüberwachung und –erkundung

Zur Planung der Rückholung, zur Umsetzung der Notfallplanung und zur Erfassung der Auswirkungen durch den Bergbau muss die Asse überwacht und erkundet werden.

  • Die Erkundungsbohrung R11 ist aktuell rund 200 Meter lang. Sie gehört zum Erkundungsprogramm des geologischen Untergrundes. Die gewonnenen Erkenntnisse können helfen, die Fließwege des Grundwassers im Untergrund besser zu verstehen. Für die Rückholung braucht die BGE ein aussagefähiges hydrogeologisches Modell. Es ist notwendig, um die für das Genehmigungsverfahren erforderlichen Sicherheitsnachweise erbringen zu können.
     
  • Die erhobenen Daten aus der Bohrung R10 werden analysiert. Die Bohrung eignet sich zum Ausbau als Grundwassermessstelle. Fortlaufende Daten aus dem Bohrloch in rund 300 Metern Tiefe können wichtige Informationen aus dem Unteren Buntsandstein am Übergang zum Salz liefern. Weitere hydrogeologische und geophysikalische Tests zu Spannung und Durchlässigkeit des Gesteins werden noch ausgewertet.
     

Bergbauliche Arbeiten

Die Bergleute müssen den sicheren Betrieb der Schachtanlage Asse II gewährleisten.

  • Auf der 490-Meter-Ebene wird weiter ein Wettertor im Zufahrtsbereich zum Abbau 8 errichtet. Hier wurde ein Kipploch für Salz hergestellt. Um die Staubentwicklung im Bergwerk bei den Kipparbeiten zu begrenzen, wird mit dem Wettertor in Verbindung mit einer Entstaubungsanlage sichergestellt, dass sich staubhaltige und saubere Luft nicht mischen.
     
  • In der Hauptverbindungsstrecke (Wendelstrecke) von der 750-Meter-Ebene aufwärts wird ein rund 90 Meter langes Stützbauwerk errichtet. Ende Juni erreicht es eine Länge von rund 60 Metern.
     
  • Im Norden der 750-Meter-Ebene befindet sich das verfüllte Kali-Baufeld. Feuchtigkeit im lose eingebrachten Salzmaterial fließt von Westen nach Osten und Süden auf die Einlagerungskammern im Steinsalz zu. Über Drainagebohrungen werden Lösungen abgeführt, bevor sie die Einlagerungskammern erreichen. Im Juni wurden die Drainagen saniert.
     

Strahlenschutz

Die Einhaltung und Überwachung des Strahlenschutzes gewährleistet die Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher, der Bevölkerung sowie der Umwelt.

  • Gemeinsam mit den Kolleg*innen der Abteilung Bergwerk haben Wettertechniker*innen, die zur Abteilung Strahlenschutz gehören, an den neuen Anschlüssen der Radonlutten gearbeitet. In der Nähe der Zugänge zu den Einlagerungskammern im Osten der 750-Meter-Ebene und in der Einlagerungskammer 7 in 725 Metern Tiefe wird gezielt Luft abgesaugt und zum Hauptgrubenlüfter auf der 490-Meter-Ebene und damit zum Abwetterschacht geführt. Dadurch lassen sich die Radonwerte in der Grubenluft senken. Radon ist ein Zerfallsprodukt des eingelagerten Urans und gelangt als Gas über Risse in den Einlagerungskammern in das Bergwerk. Radon kommt darüber hinaus hauptsächlich als natürliches Radionuklid in nahezu jedem Gestein vor und sorgt deutschlandweit für eine durchschnittliche Jahresdosis von rund 1 Millisievert bei jedem Menschen in Deutschland.
     

Infrastruktur

Über Tage muss die Infrastruktur dauerhaft instandgehalten und modernisiert werden.

  • Die Bauarbeiten am übertägigen Gasflaschenlager werden fortgesetzt.
     

Im Gespräch

Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit können sich alle interessierten Bürgerinnen und Bürger über die Schachtanlage Asse II informieren und mit uns ins Gespräch kommen.

  • Am 24. Juni 2021 findet ein Gespräch zu den Ergebnissen des Gebirgsmonitorings des Jahres 2020 zwischen dem Landsamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der BGE statt. Das Gespräch dient auch der Vorbereitung des Gebirgsbeobachtungsgepräches 2020. Der öffentliche Fachworkshop findet am 1. Juli 2021 statt.
     

Meldepflichtiges Ereignis

Betriebsstörungen oder Störfälle bis hin zu Unfällen sind den zuständigen Aufsichtsbehörden zu melden. Grundlage ist die Atomrechtliche Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung (AtSMV).

  • Im Bergwerk Asse II wird Salzlösung gefasst. Der größte Teil an der Hauptauffangstelle in 658 Metern Tiefe. Der langjährige Schnitt liegt hier bei 12 Kubikmetern in 24 Stunden. Die Dichte liegt im Mittel zwischen 1,205 und 1,207 Gramm pro Kubikzentimeter. Abweichungen von diesen Durchschnittswerten können ein meldepflichtiges Ereignis sein. Am 17. Juni 2021 ist das täglich durchschnittlich aufgefangene Lösungsvolumen der vergangenen sieben Tage auf 11.643 Liter pro Tag gefallen. Zusätzlich ist die Dichte auf 1,210 Gramm pro Kubikzentimeter gestiegen. Damit sind diese Veränderungen des Lösungszutritts den Behörden als meldepflichtiges Ereignis mitzuteilen. An den folgenden Tagen ist die gefasste Menge zunächst auf unter 10.000 Liter pro Tag gesunken, dann auf über 15.000 pro Tag gestiegen und hat sich nun bei durchschnittlich rund 12.000 Liter pro Tag neu eingependelt. Die Dichte hat sich ebenfalls in Richtung Durchschnitt entwickelt. Derzeit liegt kein meldepflichtiger Zustand mehr vor. Details dazu finden Sie in der Meldung vom 28. Juni 2021, die in den darauffolgenden Tagen fortlaufende aktualisiert wurde
     

  • Am 17. Juni 2021 ist ein Sauerstoffselbstretter eines Mitarbeiters eines beauftragten Dienstleisters (siehe auch Bild und Text unten) beim Betreten einer Arbeitsfläche für Schachtarbeiten hinabgestürzt. Personen kamen nicht zu Schaden. Eine Beschädigung an einer Signalleitung wurde repariert. Die Allgemeine Bergverordnung (ABVO) schreibt für „größere Störungen in der Fahrung“ eine Meldung an die zuständige Bergbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) vor. Weitere Informationen finden Sie in der Meldung vom 17. Juni 2021.

Einblick

Regal mit Fächern. In jedem steht eine 30 Zentimeter hohe silberne, ovale Dose.
Dies ist eine Verpackung, die den Sauerstoffselbstretter im Inneren schützt

 

Der Sauerstoffselbstretter wiegt 5 Kilogramm. Wer nach unter Tage fährt, trägt ihn. Er ist immer in Reichweite zu halten. Denn wenn er gebraucht wird, muss er schnell ausgepackt und angelegt werden. Der Sauerstoffselbstretter enthält einen Chemikalkanister, der mit einer Atemmaske verbunden ist. In dem Chemikalienkanister wird Sauerstoff produziert. So kann ein Mensch auch bei Brandrauch im Bergwerk atmen und sich in Sicherheit bringen. In den abgebildeten Geräten kann Sauerstoff für mindestens eine Stunde produziert werden. Dies ist in der Schachtanlage Asse II ausreichend, um um sich bei verrauchter Luft im Bergwerk in Sicherheit zu bringen.