Endlagersuche

Wenn in Deutschland von Endlagersuche die Rede ist, dann ist die Standortauswahl für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gemeint.

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Für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gibt es in Deutschland bereits ein genehmigtes Endlager: das Endlager Konrad in Salzgitter soll 2027 in Betrieb gehen. Für den hochradioaktiven Atommüll aber wird noch ein Endlager-Standort gesucht. Das Standortauswahlgesetz (externer Link), das die Endlagersuche regelt, schreibt vor, dass es der Standort sein muss, der die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre gewährleistet. Für diesen langen Zeitraum sollen Mensch und Umwelt vor der gefährlichen Strahlung geschützt werden.

Der hochradioaktive Atommüll - vor allem verbrauchte Brennelemente aus Kernkraftwerken - macht nur etwa fünf Prozent der Gesamtmenge der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle aus, dafür aber 99 Prozent der Strahlung. Frühere Versuche, einen Endlager-Standort für diese Abfälle zu finden, sind gescheitert. 2013 wurde die Endlagersuche deshalb wieder auf Null gesetzt.

Endlagersuche - erklärt in 90 Sekunden

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Figuren vor einem Zeichen, das Radioaktivität symbolisiert

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zur Endlagersuche haben, schreiben Sie uns gern eine E-Mail an dialog(at)bge.de oder nutzen Sie unsere Hinweisplattform.

Auf der Veranstaltungsseite finden Sie auch alle Termine rund um die Endlagersuche.

Wer sucht wo?


Bis 2031 soll er gefunden sein, der Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Gesucht wird im tiefen Untergrund in Deutschland. Die Europäische Union hat sich darauf geeinigt, dass jeder Mitgliedsstaat, der radioaktive Abfälle erzeugt, auch für die sichere Beseitigung oder dauerhafte sichere Lagerung dieser Abfälle verantwortlich ist. Die tiefengeologische Lagerung der hochradioaktiven Abfälle, also die Lagerung tief unter der Erde, ist die nach aktuellem Kenntnisstand sicherste Methode.

Salz, Ton oder Kristallin

Die Einlagerung soll in Wirtsgesteinen erfolgen. Ein Wirtsgestein verfügt über Eigenschaften, die eine Ausbreitung von radioaktiven Stoffen möglichst dauerhaft verhindern. Es verfügt im Idealfall über eine Rückhaltefähigkeit bezogen auf Radionuklide, also die gefährlichen Stoffe in den Abfällen. Zudem muss es hohe Temperaturen aushalten können, ohne dass sich die für die Endlagerung günstigen Eigenschaften verändern, und es sollte möglichst wenig durchlässig für Wasser oder Gas sein. Aus diesen Erwägungen heraus hat sich in der Endlagerforschung ein breiter Konsens gebildet, dass es drei potenziell geeignete Wirtsgesteinstypen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle gibt:

  • Steinsalz
  • Tongestein und
  • Kristallingestein

Wie sich die Wirtsgesteine unterscheiden, was ihre Vor- und Nachteile sind, haben wir in der folgenden Multimedia-Anwendung aufgeschlüsselt.

Ein wissenschaftsbasierter Vergleich

Als Vorhabenträgerin hat die BGE den operativen Part im Standortauswahlverfahren inne, sie führt die Endlagersuche durch. Ausgehend von einer weißen Landkarte, also ohne Vorfestlegungen, überprüft sie seit 2017 ganz Deutschland auf Endlagertauglichkeit - zunächst auf Basis geologischer Daten über den tiefen Untergrund, später mittels oberirdischer sowie unterirdischer Erkundungsprogramme. Ablauf, Kriterien und Rahmenbedingungen sind im Standortauswahlgesetz festgelegt. Das Verfahren soll  vergleichend, wissenschaftsbasiert und transparent sein. Im Verfahren soll fortlaufend gelernt werden, auch indem sich die Akteure selbst in Frage stellen oder in Frage stellen lassen. Die Standortsuche soll partizipativ verlaufen, also unter früher Einbeziehung der Öffentlichkeit. In jedem Verfahrensschritt fallen weitere Gebiete durch das Such-Raster, weil sie ungeeignet oder weniger geeignet sind als andere. Am Ende bleibt der Standort mit der bestmöglichen Sicherheit übrig.

Wo stehen wir?


Im Herbst 2020 hat die BGE den ersten Arbeitsstand vorgelegt, den Zwischenbericht Teilgebiete. Er weist 90 Gebiete in Deutschland aus, die günstige geologische Bedingungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Nach den drei Beratungsterminen der Fachkonferenz Teilgebiete, bei denen Bürger*innen, Wissenschaftler*innen, kommunale Gebietskörperschaften und gesellschaftliche Interessengruppen ihre Anmerkungen dazu einbringen konnten, geht es nun in Schritt 2 der Phase I der Endlagersuche darum, diese große Fläche der Teilgebiete einzugrenzen. Der nächste Meilenstein: ein Vorschlag für übertägig zu erkundende Standortregionen.

Methodenentwicklung im Fokus

Auf dem Weg dorthin werden erstmals Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt. Diese repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) müssen für alle 90 Teilgebiete stattfinden – und zwar so, dass sie je Wirtsgesteinstyp untereinander vergleichbar sind. Vier sogenannte Gebiete zur Methodenentwicklung helfen der BGE dabei, eine einheitliche Vorgehensweise zu finden. Die Erarbeitung der wissenschaftlichen Methodik ist dabei nur ein Teil der Herausforderung. Ein anderer, ebenso wichtiger wird es sein, die entwickelten Methoden der interessierten Öffentlichkeit verständlich und nachvollziehbar zugänglich zu machen. Die Methoden sollen möglichst umfassend diskutiert werden.

Magazine & Videos

Warum entsorgen wir den Atommüll eigentlich nicht auf dem Mond? Was können wir von anderen Ländern in Sachen Endlagersuche lernen? Ist das Ziel, den bestmöglichen Standort bis 2031 zu finden, überhaupt realistisch? Auf dem Youtube-Kanal der BGE gibt es zahlreiche Videos, die diese und weitere Fragen, die der BGE von Bürger*innen schon gestellt worden sind, beantworten.

Leicht verständliche Informationen zur Endlagersuche bietet auch das Einblicke-Magazin der BGE - gedruckt und online. Verschiedene Autor*innen, die überwiegend nicht der BGE angehören, nähern sich darin den Herausforderungen, die die Standortauswahl für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle mit sich bringt - wissenschaftlich, technisch, aber auch gesellschaftlich.

 

Verschiedene Videos auf dem Youtube-Kanal der BGE