Repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen

Die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) sind die ersten Sicherheitsabschätzungen für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle im laufenden Standortauswahlverfahren. Mit ihnen wird die Sicherheit eines möglichen Endlagers in einer Gesteinsformation erstmals bewertet vorläufig. Denn mit jeder weiteren Phase des Verfahrens werden neue, detailliertere Erkenntnisse hinzukommen, die das Bild schärfen. Auf dem Weg zu einem Vorschlag für übertägig zu erkundende Standortregionen sind die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen ein Werkzeug zur weiteren Eingrenzung der als Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle in Frage kommenden Gebiete in Deutschland. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch 90 Teilgebiete in der Auswahl.

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Bevor die rvSU auf die 90 Teilgebiete angewendet werden können, braucht es eine Methodik, die Vergleichbarkeit gewährleistet und sicherstellt, dass überall mit demselben Maß gemessen wird.
 

An der Erarbeitung dieser Methodik arbeitet die BGE seit Anfang 2021. Jetzt, Ende März 2022, stellt sie ihren Arbeitsstand vor:

Fachlicher Methodenvorschlag (PDF, 2,2 MB)
Kurzfassung Fachlicher Methodenvorschlag (PDF, 280 KB)
Anlage (Herleitung und Beispielanwendungen) (PDF, 52 MB)

Die Bausteine

Eine repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchung hat sieben Elemente, welche im Zuge der Durchführung prozessual durchlaufen werden:

  • Festlegung der Untersuchungsräume
  • Geosynthese
  • Vorläufiges Sicherheitskonzep; vorläufige Auslegung des Endlagers
  • Analyse des Endlagersystems
  • Umfassende Bewertung des Endlagersystems
  • Bewertung von Ungewissheiten
  • Ableitung des Erkundungs-, Forschungs- und Entwicklungsbedarfs
     

Doch was ist ein Untersuchungsraum? Was passiert bei der Geosynthese? Und wie wird die Sicherheit des Endlagersystems bewertet? Unsere Multimedia-Anwendung erklärt das und mehr mithilfe von Videos, Grafiken, Bildern und Texten. 

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Die Methode

So will die BGE die Sicherheit bewerten

Die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen vermitteln eine integrierte Sicht auf die Robustheit des Endlagersystems, also auf das Zusammenwirken der Geologie, des Endlagerbergwerks und des Endlagerbehälters. Das Kernstück der Methode für die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen ist die Fokussierung auf die am besten geeigneten Bereiche. Diese Bewertung und Eingrenzung der Teilgebiete wird in den kommenden Jahren im Rahmen der rvSU erfolgen. Dafür werden im Vorfeld der rvSU sogenannte Untersuchungsräume ausgewiesen, für welche je eine vollständige rvSU durchzuführen ist, welche laut Endlagersicherheitsuntersuchungsverordnung die Teilgebiete vollständig abdecken müssen. Die BGE weist für jedes einzelne Teilgebiet einen abdeckenden Untersuchungsraum aus. Das heißt: je Teilgebiet wird eine vollständige rvSU durchgeführt. Sofern mehrere Sicherheitskonzepte in einem Teilgebiet denkbar sind, müssen für jedes Sicherheitskonzept eigene Untersuchungsräume ausgewiesen werden.

Um gerade bei den großen Teilgebieten die Bewertungen nachvollziehbar und mit Bezug auf einheitliche geowissenschaftliche Charakteristika durchführen zu können, hat die BGE das methodische Instrument der Teiluntersuchungsräume entwickelt. Durch die Aufteilung der teils sehr großen Untersuchungsräume in Teiluntersuchungsräume kann die BGE zum einen die der Bewertung zugrundeliegende Datengrundlage nachvollziehbar und kleinräumig zuordnen und zum anderen die Übertragbarkeit von Informationen und Parametern mittels Analogiebetrachtungen gewährleisten. Teiluntersuchungsräume werden als geographisch zusammenhängende Gebiete mit möglichst einheitlichen geowissenschaftlichen Charakteristika (zum Beispiel stratigraphisch, lithologisch, tektonisch) ermittelt. Die Bewertung von Teiluntersuchungsräumen erfolgt flächendifferenziert, wenn Bereiche innerhalb dieser Räume eine unterschiedliche Eignung für einen Endlagerstandort aufweisen. Wenn ein Teiluntersuchungsraum oder ein Teil davon im Zuge der Prüfschritte keine überwiegend guten Bewertungen erhält, so erfolgt über die umfassende Bewertung dieser Bereiche eine Zuordnung in die Kategorie D oder C. Für diese Bereiche findet keine weitere Bearbeitung im Rahmen der rvSU statt.

Alle Untersuchungsräume und Teiluntersuchungsräume werden mit mehreren Prüfschritten systematisch auf ihre potenzielle Eignung für die Ausweisung eines sogenannten einschlusswirksamen Gebirgsbereichs überprüft. Dabei können Teiluntersuchungsräume an den Ausschlusskriterien oder Mindestanforderungen scheitern, die im gesamten Verlauf der repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen fortlaufend geprüft werden, weil stetig neue Erkenntnisse aus den vorliegenden Daten oder neu hinzugekommenen Daten gewonnen werden. Diese Gebiete werden in die Kategorie D eingeordnet. Für diese Bereiche steht dann im Zeugnis der rvSU zum Untersuchungsraum: Sie sind nicht für die Endlagerung geeignet. Damit endet die Bearbeitung dieser Gebiete.

Gebiete, die diese Hürde übersprungen haben, werden weiter überprüft. Dabei geht es darum, herauszufinden, ob in einem Gebiet ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich ausgewiesen werden kann – und wie sicher dieser sein kann. Werden hier ungünstige Randbedingungen bemerkt, die darauf schließen lassen, dass kein sicherer Einschluss gewährleistet werden kann, werden diese Bereiche in die Kategorie C eingeordnet. Auch für diese Gebiete wird im Zeugnis für den Untersuchungsraum eine Beurteilung stehen, und sie werden nicht weiter betrachtet.

Die Gebiete, die alle vier Prüfschritte überstehen, werden in die Kategorie A eingeordnet und gehen in die erneute Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien. In Kategorie B werden die Gebiete eingeordnet, die im Rahmen des vierten Prüfschritts, dem sicherheitsgerichteten Diskurs, im Ergebnis schlechter abschneiden als die Bereiche der Kategorie A. Für alle Bereiche der Kategorie erfolgen weitere Arbeiten im Rahmen der rvSU, zum Beispiel die Ermittlung des Erkundungs-, Forschungs- und Entwicklungsbedarfes und die Bewertung von Ungewissheiten. Im Ergebnis der erneuten Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien werden Standortregionen für die übertägige Erkundung vorgeschlagen.

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Mitreden erwünscht


Vom 28. März bis zum 1. April 2022 hat die BGE ihren Methodenvorschlag zu den repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen in einer Veranstaltungsreihe (externer Link) interessierten Bürger*innen sowie Fachleuten vorgestellt. Zusätzlich stellt sie ihren Arbeitsstand online zur Diskussion – bis zum 31. Mai 2022.

Sie möchte damit erreichen, dass die Methodik der weiteren Eingrenzung bekannt ist, bevor mit den eigentlichen Arbeiten begonnen wird. Die BGE ist offen für Verbesserungs- oder Änderungsvorschläge. Denn am Ende geht es darum, eine Methodik zu identifizieren, um die geologisch und technisch gut geeigneten Regionen für die weitere Erkundung auszuweisen. Ob Vorschläge, Fragen, Anmerkungen, Einwände oder Kritik – alles ist willkommen. Es gibt zwei Möglichkeiten, Anregungen an die BGE zu übermitteln:

Wissenschaftler*innen, Stakeholder oder Organisationen, die eine Stellungnahme zum Methodenvorschlag der BGE abgeben möchten, können dies per E-Mail tun: dialog@bge.de. Wir werden Stellungnahmen auf der Seite "Fachdebatte" veröffentlichen.

Haben Sie eine Frage, einen Kritikpunkt, den Sie schnell und unkompliziert loswerden möchten, oder einen Hinweis zum Methodenvorschlag der BGE, dann können Sie unser Online-Forum nutzen. Es ist bis zum 31. Mai 2022 geöffnet.

Am 27. Juni 2022 wird die BGE in einer weiteren Veranstaltung über den Verlauf der öffentlichen Methodendiskussion informieren und darüber berichten, wie sie mit den eingegangenen Vorschlägen verfahren will, um die Methodik weiter zu verbessern. Während des Konsultationszeitraums, am 20. und 21. Mai 2022, fand auch das erste Forum Endlagersuche statt, bei dem die Methodik für die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen ebenfalls Thema war.

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