Antworten auf Fragen zur Betrifft: Morsleben am 25. Februar 2021

Am 25. Februar 2021 hat die Info Morsleben über die Arbeiten des vergangenen Jahres und die Meilensteine in 2021 informiert. Die Aufzeichnung des Livestreams ist auf dem YouTube-Kanal der BGE weiterhin abrufbar.

Alle Fragen und die dazugehörigen Antworten können Sie hier nachlesen.

Zur besseren Übersicht haben wir die Fragen in unterschiedliche Themenbereiche zu dem Endlager Morsleben zugeteilt. Ein Großteil der Fragen betrifft die Stilllegungsplanung des Endlagers – hier insbesondere die Demonstrationsbauwerke zu den Streckenabdichtungen und das laufende Genehmigungsverfahren.


Werksleiter Frank-Holger Koch gibt einen Einblick in das Betriebsgeschehen des Endlagers Morsleben.

Das Stilllegungskonzept für das Endlager Morsleben sieht u.a. die Errichtung von horizontalen Streckenabdichtungen vor. Seit 2011 läuft auf der 2. Sohle der Schachtanlage Bartensleben ein Großversuch zu einem Abdichtbauwerk im Steinsalz. Der Versuch soll die Machbarkeit der qualitätsgesicherten Herstellung und Funktionsweise des Bauwerks zeigen. Als Baustoff für das Bauwerk wurde Salzbeton verwendet. Die Auswertung des laufenden Versuchs zeigt, dass die vorgesehene geringe Durchlässigkeit des Bauwerks erreicht wird. Beim Abbinden des Salzbetons hat sich jedoch an der Front der Abdichtung ein feiner horizontaler Riss gebildet. Diese Rissbildung war so nicht erwartet worden. Aus diesem Grund ist eine Wiederholung des Großversuchs unter Anpassung der Bauwerkskonstruktion und des Baustoffs vorgesehen. Als neuer Baustoff kommt ein quellfähiger Magnesiabeton (Sorelbeton) zum Einsatz.

Die Errichtung eines Rückholungsschacht ist nicht vorgesehen. Die radioaktiven Abfälle sollen im Zuge der Stilllegungsplanung für das Endlager unter Tage verbleiben. Die Stilllegungsmaßnahmen sind so konzipiert, dass die Abfälle langzeitsicher von der Biosphäre isoliert und mögliche Freisetzungen von radioaktiven Stoffen minimiert werden. Eine planmäßige Rückholung ist deswegen nicht Bestandteil des beantragten Stilllegungskonzepts.

Einwendungen wurden auf dem Erörterungstermin im Jahr 2011 besprochen. Die vorgebrachten Einwendungen sind dokumentiert und werden bei der Prüfung der Stilllegungsunterlagen berücksichtig. Ein Gutachten fasst die Argumente der Einwendungen zusammen und gruppiert diese thematisch. Jedes Thema wurde in dem Gutachten kurz bewertet und kommentiert. Es bietet einen Zwischenstand bei der Beantwortung der Einwendungen. Das Gutachten kann auf der projektbezogenen Webseite des Umweltministeriums des Landes Sachsen-Anhalt heruntergeladen werden.

Nach der neuen oberflächlichen Kartierung des Landes Sachsen-Anhalt interpretiert der geologische Dienst des Landes lokale Störungen in der Geologie anders als die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR). Die BGR ist ein Kooperationspartner der BGE bei der Aktualisierung des geologischen Modells des Standortes. Sie generierte mit diversen Messprojekten wichtige Daten für das Modell. BGR und geologischer Dienst stehen derzeit unter Beteiligung der BGE im Austausch miteinander um offene Fragen und unterschiedliche Auffassungen zur Interpretation der vorliegenden Daten abzugleichen.

Die BGE hat dem Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt (Genehmigungsbehörde) und seinen Gutachtern die neue Unterlagen-Struktur vorgestellt und erläutert. Die derzeit in Bearbeitung befindlichen abschließenden Verfahrensunterlagen fassen die Vielzahl der im Laufe der planungs- und begleitenden Begutachtungsverfahrens über mehr als ein Jahrzehnt entstanden Unterlagen zusammen. Das Ziel ist dabei die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit zu verbessern und gleichzeitig die Konsistenz sicherzustellen. Kern des Verfahrens bleiben die sog. Genehmigungsunterlagen, in denen alle mit der Genehmigung festzuschreibenden Sachverhalte beschrieben werden. Prüfunterlagen dienen der Begründung und Erläuterung, dass die geplanten Stilllegungsmaßnahmen sicher funktionieren und sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Verfahrensunterlagen.

In einem nächsten Schritt wurde diese Struktur zwischen allen Beteiligten abgestimmt. Die neue Struktur war bisher inhaltlicher Bestandteil der aktuellen Status- und Fachgespräche, die zwischen der BGE und dem Landesumweltministerium geführt werden. Die Veröffentlichung der Protokolle dieser Gespräche ist derzeit nicht vorgesehen. Die BGE wird die Unterlagenstruktur aber auf ihrer Homepage veröffentlichen.

 

Nach Beendigung der Einlagerung von radioaktivem Abfall in das Endlager Morsleben im Jahr 1998 blieben 10 Großcontainer im obertägigen Kontrollbereich zurück. Die Großcontainer dienten zur Anlieferung der Abfallgebinde. Im Zuge der Umrüstung des Endlagers auf die Offenhaltung soll der übertägige Kontrollbereich zurückgebaut werden. Ein Meilenstein bei diesem Vorhaben ist die uneingeschränkte Freigabe der Großcontainer nach § 35 der Strahlenschutzverordnung. Zur Erreichung der Freigabe müssen Strahlenschützer prüfen, ob es Verunreinigungen mit radioaktiven Stoffen (Kontaminationen) an den Containern gibt. Ergeben die Messungen keine Überschreitungen von Freigabegrenzen, erteilt die Atomaufsicht in der Regel die Freigabe. Erst nach diesem Verfahrensschritt können die Container den Kontrollbereich verlassen und nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz entsorgt werden.

Prüfmessungen an den Großcontainer haben ergeben, dass einige Container teilweise kontaminiert sind – so auch die Böden der letzten beiden im Kontrollbereich befindlichen Großcontainer. Bei ihnen wurde eine Verunreinigung mit dem Nuklid Cäsium-137 festgestellt. Sie sind deswegen nicht freigabefähig. Da die Verunreinigung sich auf die Böden beschränkt, wurden diese vom Rest der Container getrennt. Die sauberen Teile durchliefen ein Freigabeverfahren. Die Böden dagegen verbleiben als betriebliche Eigenabfälle im Endlager. Diese werden im Westfeld auf der 4. Sohle der Schachtanlage Bartensleben endgelagert.

Im Endlager Morsleben gibt es eine kleine Menge von radioaktiven Abfällen, die die ursprünglichen Annahmebedingungen für die Endlagerung nicht erfüllen. Bei den Abfällen handelt es sich hauptsächlich um umschlossene Strahlenquellen und Radiumpräparate. Sie machen weniger als 0,01 Prozent des Gesamtvolumens der Abfälle, aber rund 60 Prozent der eingelagerten Radioaktivität des Endlagers aus. Die Zwischenlagerung dieser Abfälle ist seitens der zuständigen Genehmigungsbehörden befristet genehmigt. Im Zuge der Stilllegung ist die Endlagerung der zwischengelagerten Abfälle beantragt.

Eine Endlagerung der zwischengelagerten radioaktiven Abfälle in Morsleben ist weiterhin möglich. Die Sicherheitsanforderungsverordnung ist verknüpft mit dem Standortauswahlgesetz (externer Link), das einen Standort, der unter dem Einfluss aktueller und vergangener bergbaulicher Tätigkeiten steht, als nicht geeignet für die Endlagerung betrachtet. Das Standortauswahlgesetzt und die Sicherheitsanforderungsverordnung betrifft jedoch ein künftiges Endlager für hochradioaktive Abfälle. Beim Endlager Morsleben handelt es sich dagegen um ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Die BGE prüft dennoch, wie die in der Verordnung formulierten Anforderungen auch für das Endlager Morsleben anwendbar und übertragbar sind. 

Im Südfeld auf der 4. Sohle der Schachtanlage Bartensleben wurden von 1981 bis 1998 in zwei Abbaukammern radioaktive Abfälle verstürzt. Gemäß der Dauerbetriebsgenehmigung ist nach Abschluss der Einlagerung das Resthohlraumvolumen der betreffenden Einlagerungskammer zu verfüllen, diese zu verschließen und abschließend abzudichten. Die Einlagerungskammern im Südfeld wurden mit Braunkohlefilterasche verfüllt. Die Verfüllung dient der Abdeckung der Abfälle mit dem Ziel des Brandschutzes. Die puderartige Asche verhält sich beim Einbringen wie eine Flüssigkeit und dringt in jeden Hohlraum vor. Dabei wird der Sauerstoff von der Asche verdrängt. Die Verfüllung des Resthohlraumvolumens sowie der Verschluss der Einlagerungskammern mit Spezialbeton wurde im Jahr 2019 abgeschlossen. 

Die im Endlager gewonnenen geologischen Daten sind lokal auf den Standort Morsleben begrenzt. Die Daten bieten keine weitreichenden geologischen Neuerungen, die das Standortauswahlverfahren maßgeblich beeinflussen könnten. Sie werden genutzt um Ungewissheiten sowie Konservativitäten bei der Stilllegungsplanung abzubauen. Das Gebiet um das Endlager wird zudem bei der Standortauswahl nicht berücksichtigt. Die vergangenen bergbaulichen Tätigkeiten in Morsleben sind ein klares Ausschlusskriterium für den Standort.