Antworten auf Fragen zu Betrifft: Morsleben

Antworten auf Fragen zur Betrifft: Morsleben am 18. November 2021

Am 18. November 2021 berichteten Matthias Ranft, Bereichsleiter des Endlagers Morsleben und BGE-Experte Dr. Steffen Knospe zum Umgang mit Ungewissheiten in der Bewertung von Langzeitsicherheit. Im Vordergrund standen die Fragen, wie eine zuverlässige Sicherheitsbewertung auch über lange Zeiträume erfolgen kann und wie die BGE in diesem Zusammenhang mit Ungewissheiten umgeht.

Rund 75 Zuschauer*innen nahmen an der Online-Veranstaltung live teil. Dabei stellten sie zahlreiche Fragen in der parallel laufenden Zoom-Konferenz.

Mehr zu der Veranstaltung können Sie der zugehörigen Meldung vom 27. November 2021 entnehmen (Meldung - 27. November 2021: Endlager Morsleben - Betrifft: Morsleben. So sicher ist sicher – Umgang mit Ungewissheiten bei der Sicherheitsbewertung). Die Aufzeichnung des Livestreams (der Veranstaltung "Betrifft: Morsleben" am 18. November 2021) (externer Link) ist auf dem YouTube-Kanal der BGE (externer Link) abrufbar.

Alle Fragen, die während der Veranstaltung gestellt wurden und die dazugehörigen Antworten können Sie hier nachlesen.

Zur besseren Übersicht haben wir die Fragen in unterschiedliche Themenbereiche zu dem Endlager Morsleben zugeteilt. Ein Großteil der Fragen betrifft die Stilllegungsplanung des Endlagers. Darüber hinaus haben uns projektübergreifende Fragen erreicht.


Informierten über den Umgang mit Ungewissheiten: Manuel Wilmanns, Matthias Ranft, Dr. Steffen Knospe (von links)

Nicht nur zwei Barrieren zu errichten, sondern dabei auch verschiedene Barrieren, entspricht exakt dem Optimierungsgedanken. International spricht man von einem Mehrbarrierenkonzept, also der Kombination von gestaffelten, technischen und natürlichen Barrieren in einem Endlager. Die BGE kommt diesem Anspruch nach, indem sie nicht nur umfassende Verfüllmaßnahmen durchführt und dadurch die geologische Barriere erhält, sondern zusätzlich noch Streckenabdichtbauwerke errichtet. Nach aktuellem Stand sollen 80 Prozent der Grube, rund 4 Millionen Kubikmeter Hohlraum, mit Salzbeton verfüllt werden. Damit wird langfristig die Stabilität des Bergwerks gesichert. Zuletzt werden auch die beiden Schächte, Bartensleben und Marie verfüllt. Damit sind drei verschiedene, bzw. diverse Sicherheitsinstrumente umgesetzt.

Die Schutzziele werden aus den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (SSK) und der Entsorgungskommission (ESK) des Bundes sowie sinngemäß aus der für Endlager für hochradioaktive Abfälle geltenden Endlagersicherheitsanforderungsverordnung (EndlSiAnfV) (externer Link) abgeleitet. Eins der Schutzziele lautet dort: Die radioaktive Belastung, der Mensch und Umwelt für zu erwartende Entwicklungen durch endgelagerte Abfälle ausgesetzt sind, darf den Wert von 0,01 Millisievert im Jahr für Einzelpersonen der Bevölkerung nicht überschreiten.

Zum Vergleich: 0,01 bis 0,1 Millisievert entspricht in etwa der Belastung durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Die Belastung durch natürliche Radioaktivität beträgt im Jahr 2,20 Millisievert.

Für das Endlager Morsleben hat die SSK im Jahr 2010 empfohlen, die potenziellen Strahlenexpositionen in der Nachbetriebsphase sollten eine effektive Individualdosis in Höhe von 0,1 Millisievert im Jahr bei wahrscheinlichen und 1 Millisievert im Jahr bei weniger wahrscheinlichen Entwicklungen nicht überschreiten. Die ESK hat dieses Schutzziel für das Endlager Morsleben im Jahr 2013 bestätigt.

Hinweis: Diese Antwort wurde am 6. Januar 2022 aktualisiert.

Die Stilllegung des Endlagers Morsleben ist in einem Planfeststellungsverfahren nach § 9b des Atomgesetzes (externer Link) beantragt. Im Atomgesetz (externer Link) ist festgelegt, dass die erforderliche Schadensvorsorge gewährleistet sein muss und dies nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu erfolgen hat, spezifische Ziele werden nicht genannt. Vor 2010 waren darum die Werte aus der Strahlenschutzverordnung maßgeblich: Die zulässige Strahlenexposition, der ein Bürger gemäß Strahlenschutzverordnung durch eine kerntechnische Anlage ausgesetzt werden durfte, betrug 0,3 Millisievert im Jahr.

Streng genommen gehören Bergschäden nicht in die atomrechtliche Fragestellung. Das Atomgesetz beschäftigt sich mit dem Strahlenschutz und den entsprechenden Anforderungen an radioaktives Material. In Deutschland ist daher gesetzlich festgelegt, dass in einem atomrechtlichen Planfeststellungsverfahren alle weiteren Rechtsgebiete, die nebeneinander eingehalten werden müssen, zusätzlich behandelt werden. In der tiefengeologischen Endlagerung muss damit auch das Bergrecht berücksichtigt werden.

Das in der Frage genannte Beispiel zur Beschränkung für Schwermetalle stammt aus dem Wasserrecht. Dieses sieht vor, dass aufgrund der Endlagerung keine Nachteile für vorhandenes Grundwasser eintreten dürfen.

Bei den beiden Modellen EMOS und PROSA handelte es sich um Software-Systeme zur Modellierung des Endlagersystems nach seinem Verschluss. Modelliert wurde das gleiche Endlagersystem, mit zwei unterschiedlichen Ansätzen der nummerischen Umsetzung. Diese Form von Berechnungen wird mittlerweile nicht mehr verfolgt. Heute setzen wir auf ein Modell mit der Bezeichnung KAFKA, und stellen sicher, dass parallel für bestimmte Detail-Prozesse auch mit anderen Software-Modellen gerechnet wird.

Arbeitet die BGE hier weiter mit zwei verschiedenen Ansätzen, oder wurde sich auf ein Modell geeinigt?


Die BGE arbeitet daran, geologische Modelle zusammenzuführen. Die BGE, die BGR (externer Link) und das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) (externer Link) befinden sich dazu über die Auswertungen der Daten aus den unterschiedlichen Modellen im Austausch. So sollen alle Daten neu repräsentiert in einem umfassenden Modell zusammengefasst werden.

Hier geht es um den Begriff der Redundanz – wie doppelte Sicherheit umgesetzt werden kann. Dieses Prinzip wird von uns sowohl bei der betrieblichen Sicherheit, vor und während der Stilllegungsphase, als auch bei der Langzeitsicherheit, nach dem Verschluss des Endlagers, angewendet.

In Bezug auf die Betriebssicherheit arbeitet die BGE mit klassischen Sicherheitsinstrumenten. Als Beispiel sei hier die Strahlenschutzmesstechnik über Tage und unter Tage genannt. In sich gestaffelte Sicherheitsinstrumente gibt es aber auch in anderen Bereichen, wie dem Objektschutz.

In Bezug auf die Langzeitsicherheit ist die Sicherheitsbewertung komplexer. Abstrakt ausgedrückt: Es reicht nicht, einen Grenzwert zu unterschreiten. Im Gegenteil muss Optimierungsarbeit geleistet werden, um nach Möglichkeit die Werte noch weiter zu senken.

Konkret bedeutet dies, bei der Stilllegungsplanung die Barrierefunktionen unterschiedlicher Barrieren bei der Sicherheitsbewertung zu berücksichtigen. Man spricht hier auch vom Mehrbarrierenkonzept.  Es gibt einerseits die natürliche Barriere des Wirtsgesteins Steinsalz und des Deckgebirges. Beides gewährt bereits einen Schutz. Zusätzlich errichten wir mit den Verfüllmaßnahmen und Abdichtbauwerken technische Barrieren. Jede einzelne Maßnahme lässt sich dann weiterhin noch optimieren. Um diese technischen Barrieren zu optimieren, werden Abdichtbauwerke z.B. in mehreren Segmenten errichtet. Dadurch erhalten wir mehr Barrieren als unbedingt notwendig und erhöhen deren Schutzfunktion.

Die BGE ist überzeugt davon, das Endlager Morsleben sicher stilllegen zu können – auch unter Verbleib der im Ostfeld eingelagerten Abfälle. Behördlich festgestellt wird dies offiziell, wenn die Genehmigung zur Stilllegung durch die Genehmigungsbehörde vorliegt. Die Genehmigungsbehörde ist das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt (MWU) (externer Link).

Für die sichere Stilllegung des Ostfeldes wird eine besondere Maßnahme erforderlich, da eine der beiden Strecken, die den Zugang zu diesem Bereich bilden, nicht von Steinsalz umgeben ist, sondern von geklüftetem Anhydrit. Auch für den Bau von Abdichtbauwerken in diesem Bereich sind gute technische Lösungen vorhanden. Für den Beleg der Eigenschaften werden in den nächsten Jahren Demonstrationsbauwerke errichtet, die auch von der Genehmigungsbehörde beurteilt werden.

Nach heutigem Standard würde das Bergwerk Morsleben nicht mehr als Endlager ausgewählt werden. Bis 1998 wurden rund 37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert, die sich weiterhin unter Tage befinden. Nach aktuellem Stand gibt es kein anderes Endlager in Deutschland, in dem diese Abfälle besser untergebracht wären. Es wäre daher nicht zweckmäßig und auch nicht sicherer, die Abfälle zurückzuholen. Die Sicherheit für Mensch und Umwelt steht immer im Vordergrund. Daher sollen die bereits eingelagerten Abfälle unter Tage verbleiben und das Endlager Morsleben sicher stillgelegt werden. Eine weitere Einlagerung ist nicht vorgesehen.

Dieser Begriff „Bewertung“ sollte weiter etabliert werden, da der Begriff „Nachweis“ ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln könnte. Ein Nachweis kann nicht geführt werden. Sollte man darüber hinaus nicht außerdem eher von einer Bewertung des Langzeitrisikos sprechen?


Vielen Dank für den Hinweis! Die BGE verwendet allgemein die aktuellen Begrifflichkeiten und damit auch den der „Bewertung von Langzeitsicherheit“. Der Referent hat in seinem Vortrag versehentlich die veraltete Bezeichnung verwendet.

Wie wird die BGE mit den zwischengelagerten Abfällen verfahren? Wird die Endlagersicherheitsanforderungsverordnung (EndlSiAnfV) von 2020 angesetzt oder die Sicherheitsanforderungen von 1983?


Nach Ansicht der BGE unterscheiden ESK (externer Link) und SSK (externer Link) in ihren Formulierungen und Hinweisen für die Stilllegung des Endlagers Morsleben kein spezielles Abfallinventar. Beide Stellungnahmen formulieren ganz allgemeine Hinweise und Empfehlungen an die Stilllegung des Endlagers Morsleben. Diese beziehen die zwischengelagerten Abfälle mit ein. Der Verbleib der zwischengelagerten Abfälle im Endlager Morsleben ist bei der Genehmigungsbehörde beantragt.

Wir (die BGE) müssen Sicherheiten für sehr lange Zeiträume gewährleisten. Wir können für diese Zeiträume keine vollständigen Statistiken erstellen. Um sichere Prognosen erstellen zu können, müssen wir uns daher mit der Frage beschäftigen, wie Ungewissheiten behandelt werden können. Dabei ist das Wort „Ungewissheit“ nicht mit „Unsicherheit“ zu verwechseln. Unsicherheiten sind aber nicht die Folge fehlender Statistiken, sondern zunächst nur Ungewissheiten.

Die Analyse der zukünftigen Entwicklungen ist ein gutes Instrument zur Risikoeinschätzung. Diese Analyse wird von der BGE umfassend ausgeführt. Dabei werden sämtliche Ereignisse, die eintreten können – beispielsweise Eiszeit, Gasbildung, Meteoriteneinschlag – aufgelistet und bewertet. So werden mögliche Risiken ermittelt.

Zusätzlich werden die geplanten Sicherheitsmaßnahmen ständig nach dem Stand der Technik optimiert – auch wenn das vorgegebene Schutzziel bereits unterschritten wurde. Damit erreicht die BGE einen Puffer: Selbst, wenn eine Barriere ganz oder teilweise versagen sollte, ist dadurch die Langzeitsicherheit des Endlagers insgesamt nicht gefährdet.

Zur Ausführung dieser Aufgaben und Analysen sind Personal- und Kompetenzressourcen vorhanden und weiterhin eingeplant. Damit kann die BGE auf mögliche neue Sachverhalte während der Planung stets bedarfsgerecht reagieren. Das Fachwissen der BGE-Expert*innen kommt darüber hinaus projektübergreifend zum Tragen: So werden beispielsweise Erfahrungen, die auf der Asse im ehemaligen Umgang mit Baustoff für Verfüllmaßnahmen gesammelt wurden, auch im Projekt Morsleben berücksichtigt. 

Die BGE ist mit ihren IT-Sicherheitssystemen sehr gut aufgestellt und verfolgt das Prinzip der Trennung von Systemen. Die BGE hat hohe Anforderungen, die ständig umgesetzt werden.

Ja, ein Nachbericht zur Informationsveranstaltung "Betrifft: Morsleben" wird auf der Website der BGE online gestellt. Im Bericht werden die Vortragsfolien beider Referenten verlinkt.

Wir haben in der BGE einen großen Bereich „Technik“ (TEK). Die Kolleg*innen in dieser Abteilung befassen sich mit Sicherheitsanalysen, sowohl im Bereich der Betriebssicherheit und Strahlenschutz, als auch mit der Bewertung der Langzeitsicherheit. Über diese Querschnittsfunktion sind wir projektübergreifend vernetzt und tauschen uns regelmäßig aus.

Bei der Beurteilung eines Standorts für ein Endlager für radioaktive Abfälle steht die Sicherheit im Vordergrund. In Bezug auf die in Deutschland vorhandenen bzw. im Bau befindlichen Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bedeutet das: Sofern die Sicherheit und Praktikabilität gewährleistet ist, kann ein solcher Standort nicht ausgeschlossen sein.

Einen Unterschied gibt es dazu in Bezug auf die hochradioaktiven Abfälle. Hier ist die Standortauswahl im Standortauswahlgesetz (StandAG) (externer Link) geregelt: Die Auswahl erfolgt in Deutschland auf einer „weißen Landkarte“, um eine Vorauswahl zu vermeiden. Und ganz konkret auf die Frage bezogen: Unter §22 des StandAG (externer Link) sind Ausschlusskriterien vorgegeben. § 22 (3.3) legt fest: Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit sind ein Ausschlusskriterium. Auch alte Bohrungen sind unter Umständen ein Ausschlusskriterium, sofern diese die natürlichen Barrieren eines Standortes, also das Wirtsgestein oder das Hutgestein, beeinträchtigen.


Antworten auf Fragen zur Betrifft: Morsleben am 25. Februar 2021

Am 25. Februar 2021 hat die Info Morsleben über die Arbeiten des vergangenen Jahres und die Meilensteine in 2021 informiert. Die Aufzeichnung des Livestreams (zur Veranstaltung "Betriff: Konrad" am 25. Februar 2021) (externer Link) ist auf dem YouTube-Kanal der BGE weiterhin abrufbar.

Alle Fragen und die dazugehörigen Antworten können Sie hier nachlesen.

Zur besseren Übersicht haben wir die Fragen in unterschiedliche Themenbereiche zu dem Endlager Morsleben zugeteilt. Ein Großteil der Fragen betrifft die Stilllegungsplanung des Endlagers – hier insbesondere die Demonstrationsbauwerke zu den Streckenabdichtungen und das laufende Genehmigungsverfahren.


Werksleiter Frank-Holger Koch gibt einen Einblick in das Betriebsgeschehen des Endlagers Morsleben.

Das Stilllegungskonzept für das Endlager Morsleben sieht u.a. die Errichtung von horizontalen Streckenabdichtungen vor. Seit 2011 läuft auf der 2. Sohle der Schachtanlage Bartensleben ein Großversuch zu einem Abdichtbauwerk im Steinsalz. Der Versuch soll die Machbarkeit der qualitätsgesicherten Herstellung und Funktionsweise des Bauwerks zeigen. Als Baustoff für das Bauwerk wurde Salzbeton verwendet. Die Auswertung des laufenden Versuchs zeigt, dass die vorgesehene geringe Durchlässigkeit des Bauwerks erreicht wird. Beim Abbinden des Salzbetons hat sich jedoch an der Front der Abdichtung ein feiner horizontaler Riss gebildet. Diese Rissbildung war so nicht erwartet worden. Aus diesem Grund ist eine Wiederholung des Großversuchs unter Anpassung der Bauwerkskonstruktion und des Baustoffs vorgesehen. Als neuer Baustoff kommt ein quellfähiger Magnesiabeton (Sorelbeton) zum Einsatz.

Die Errichtung eines Rückholungsschacht ist nicht vorgesehen. Die radioaktiven Abfälle sollen im Zuge der Stilllegungsplanung für das Endlager unter Tage verbleiben. Die Stilllegungsmaßnahmen sind so konzipiert, dass die Abfälle langzeitsicher von der Biosphäre isoliert und mögliche Freisetzungen von radioaktiven Stoffen minimiert werden. Eine planmäßige Rückholung ist deswegen nicht Bestandteil des beantragten Stilllegungskonzepts.

Einwendungen wurden auf dem Erörterungstermin im Jahr 2011 besprochen. Die vorgebrachten Einwendungen sind dokumentiert und werden bei der Prüfung der Stilllegungsunterlagen berücksichtig. Ein Gutachten fasst die Argumente der Einwendungen zusammen und gruppiert diese thematisch. Jedes Thema wurde in dem Gutachten kurz bewertet und kommentiert. Es bietet einen Zwischenstand bei der Beantwortung der Einwendungen. Das Gutachten kann auf der projektbezogenen Webseite des Umweltministeriums des Landes Sachsen-Anhalt (externer Link) heruntergeladen werden.

Nach der neuen oberflächlichen Kartierung des Landes Sachsen-Anhalt interpretiert der geologische Dienst des Landes lokale Störungen in der Geologie anders als die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR). Die BGR ist ein Kooperationspartner der BGE bei der Aktualisierung des geologischen Modells des Standortes. Sie generierte mit diversen Messprojekten wichtige Daten für das Modell. BGR und geologischer Dienst stehen derzeit unter Beteiligung der BGE im Austausch miteinander um offene Fragen und unterschiedliche Auffassungen zur Interpretation der vorliegenden Daten abzugleichen.

Die BGE hat dem Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt (Genehmigungsbehörde) und seinen Gutachtern die neue Unterlagen-Struktur vorgestellt und erläutert. Die derzeit in Bearbeitung befindlichen abschließenden Verfahrensunterlagen fassen die Vielzahl der im Laufe der planungs- und begleitenden Begutachtungsverfahrens über mehr als ein Jahrzehnt entstanden Unterlagen zusammen. Das Ziel ist dabei die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit zu verbessern und gleichzeitig die Konsistenz sicherzustellen. Kern des Verfahrens bleiben die sog. Genehmigungsunterlagen, in denen alle mit der Genehmigung festzuschreibenden Sachverhalte beschrieben werden. Prüfunterlagen dienen der Begründung und Erläuterung, dass die geplanten Stilllegungsmaßnahmen sicher funktionieren und sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Verfahrensunterlagen.

In einem nächsten Schritt wurde diese Struktur zwischen allen Beteiligten abgestimmt. Die neue Struktur war bisher inhaltlicher Bestandteil der aktuellen Status- und Fachgespräche, die zwischen der BGE und dem Landesumweltministerium geführt werden. Die Veröffentlichung der Protokolle dieser Gespräche ist derzeit nicht vorgesehen. Die BGE wird die Unterlagenstruktur aber auf ihrer Homepage veröffentlichen.

 

Nach Beendigung der Einlagerung von radioaktivem Abfall in das Endlager Morsleben im Jahr 1998 blieben 10 Großcontainer im obertägigen Kontrollbereich zurück. Die Großcontainer dienten zur Anlieferung der Abfallgebinde. Im Zuge der Umrüstung des Endlagers auf die Offenhaltung soll der übertägige Kontrollbereich zurückgebaut werden. Ein Meilenstein bei diesem Vorhaben ist die uneingeschränkte Freigabe der Großcontainer nach § 35 der Strahlenschutzverordnung. Zur Erreichung der Freigabe müssen Strahlenschützer prüfen, ob es Verunreinigungen mit radioaktiven Stoffen (Kontaminationen) an den Containern gibt. Ergeben die Messungen keine Überschreitungen von Freigabegrenzen, erteilt die Atomaufsicht in der Regel die Freigabe. Erst nach diesem Verfahrensschritt können die Container den Kontrollbereich verlassen und nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz entsorgt werden.

Prüfmessungen an den Großcontainer haben ergeben, dass einige Container teilweise kontaminiert sind – so auch die Böden der letzten beiden im Kontrollbereich befindlichen Großcontainer. Bei ihnen wurde eine Verunreinigung mit dem Nuklid Cäsium-137 festgestellt. Sie sind deswegen nicht freigabefähig. Da die Verunreinigung sich auf die Böden beschränkt, wurden diese vom Rest der Container getrennt. Die sauberen Teile durchliefen ein Freigabeverfahren. Die Böden dagegen verbleiben als betriebliche Eigenabfälle im Endlager. Diese werden im Westfeld auf der 4. Sohle der Schachtanlage Bartensleben endgelagert.

Unter den radioaktiven Abfällen im Endlager Morsleben gibt es eine kleine Menge von radioaktiven Abfällen, die die ursprünglichen Annahmebedingungen für die Endlagerung nicht erfüllen. Bei den Abfällen handelt es sich hauptsächlich um umschlossene Strahlenquellen und Radiumpräparate. Sie machen weniger als 0,01 Prozent des Gesamtvolumens der Abfälle, aber rund 60 Prozent der eingelagerten Radioaktivität des Endlagers aus. Die Zwischenlagerung dieser Abfälle ist seitens der zuständigen Genehmigungsbehörden befristet genehmigt. Im Zuge der Stilllegung ist die Endlagerung der zwischengelagerten Abfälle beantragt.

Eine Endlagerung der zwischengelagerten radioaktiven Abfälle in Morsleben ist weiterhin möglich. Die Sicherheitsanforderungsverordnung (externer Link) ist verknüpft mit dem Standortauswahlgesetz, das einen Standort, der unter dem Einfluss aktueller und vergangener bergbaulicher Tätigkeiten steht, als nicht geeignet für die Endlagerung betrachtet. Das Standortauswahlgesetzt und die Sicherheitsanforderungsverordnung betrifft jedoch ein künftiges Endlager für hochradioaktive Abfälle. Beim Endlager Morsleben handelt es sich dagegen um ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Die BGE prüft dennoch, wie die in der Verordnung formulierten Anforderungen auch für das Endlager Morsleben anwendbar und übertragbar sind. 

Im Südfeld auf der 4. Sohle der Schachtanlage Bartensleben wurden von 1981 bis 1998 in zwei Abbaukammern radioaktive Abfälle verstürzt. Gemäß der Dauerbetriebsgenehmigung ist nach Abschluss der Einlagerung das Resthohlraumvolumen der betreffenden Einlagerungskammer zu verfüllen, diese zu verschließen und abschließend abzudichten. Die Einlagerungskammern im Südfeld wurden mit Braunkohlefilterasche verfüllt. Die Verfüllung dient der Abdeckung der Abfälle mit dem Ziel des Brandschutzes. Die puderartige Asche verhält sich beim Einbringen wie eine Flüssigkeit und dringt in jeden Hohlraum vor. Dabei wird der Sauerstoff von der Asche verdrängt. Die Verfüllung des Resthohlraumvolumens sowie der Verschluss der Einlagerungskammern mit Spezialbeton wurde im Jahr 2019 abgeschlossen.

Dazugehörige Meldung:

Meldung - 09. Juli 2019: Endlager Morsleben - Letzte Verbindungen zu den Einlagerungskammern im Südfeld verschlossen

Die im Endlager gewonnenen geologischen Daten sind lokal auf den Standort Morsleben begrenzt. Die Daten bieten keine weitreichenden geologischen Neuerungen, die das Standortauswahlverfahren maßgeblich beeinflussen könnten. Sie werden genutzt um Ungewissheiten sowie Konservativitäten bei der Stilllegungsplanung abzubauen. Das Gebiet um das Endlager wird zudem bei der Standortauswahl nicht berücksichtigt. Die vergangenen bergbaulichen Tätigkeiten in Morsleben sind ein klares Ausschlusskriterium für den Standort.