Aktuelle Arbeiten - Schachtanlage Asse II

Übersicht über die wesentlichen Arbeiten im Mai 2021
 

Stabilisierung und Notfallplanung

Die Rückholung kann nur in einem langfristig stabilen Bergwerk erfolgen. Zudem müssen Vorbereitungen für einen möglichen Notfall getroffen werden.

  • Im Zuge der Vorsorgemaßnahmen soll auf der 725-Meter-Ebene (Sohle) in einer Strecke nach Norden eine Strömungsbarriere gebaut werden. Derzeit wird mit Radon belastete Luft aus der Einlagerungskammer 7 auf der 725-Meter-Ebene durch diesen Bereich geleitet. Von der 511-Meter-Ebene aus wird eine neue Wetterbohrung zur Einlagerungskammer 7 auf der 725-Meter-Ebene erstellt. Sie soll zukünftig den bestehenden Anschluss an die Radonbohrung ersetzen. Radon ist ein radioaktives Edelgas. Es tritt in geringem Maß aus den Einlagerungskammern aus und wird über gezielte Bohrungen und Kanäle (Lutten) getrennt vom übrigen Grubengebäude nach über Tage abgeleitet. Auf diese Weise werden die Grenzwerte für die zulässige Aktivitätskonzentration durch Radon in der Grubenluft in den übrigen Bereichen sicher eingehalten. Die Pilotbohrung von der 511-Meter-Ebene ist fertigerstellt. Anschließend wird die Bohrung von unten nach oben auf den vollen Durchmesser vergrößert.
     
  • Unterhalb der 800-Meter-Ebene werden weiterhin Kavernenstrecken hergerichtet. In den Strecken können Lösungen gespeichert werden, die zum Beispiel nicht planmäßig nach über Tage abgegeben werden können. Der Querschnitt der zweiten Strecke ist zur vollen Größe aufgefahren. Jetzt wird die Baustelle für das Verschlussbauwerk errichtet. Die Strecke wird nach Fertigstellung nur über Bohrungen für Pumpleitungen erreichbar sein.
     
  • Im Grubentiefsten wird weiterhin ein spezieller Beton (Sorelbeton) mit einem kleinen Anteil radioaktiv belasteter Salzlösung in einer Betonmischanlage hergestellt und in einen dortigen Hohlraum gepumpt. Es handelt sich bei der Lösung um nicht freigabefähige Lösung. Die Lösung ist mit Cäsium-137 und Tritium belastet und verbleibt im Grubengebäude. Cäsium-137 hat eine Halbwertzeit von rund 30 Jahren, Tritium von rund 12 Jahren. Da die Lösung zu Beton verarbeitet wird, sind die Nuklide in Feststoffen gebunden und können nicht an die Oberfläche gelangen. Um den Strahlenschutz während der Arbeiten sicherzustellen sind im Arbeitsbereich mehrere Überwachungsbereiche eingerichtet. Die Arbeiten verlaufen ohne Zwischenfälle und enden planmäßig am 6. Mai. Seit dem 7. Mai finden Aufräum- und Freimessarbeiten statt. Insgesamt wurden während der Kampagne rund 14 Kubikmeter kontaminierte Lösung zu Beton verarbeitet. Die Verfestigung der nicht freigabefähigen Salzlösung erfolgt vor dem Hintergrund des § 57 b Absatz 5 AtG (Lex Asse). Die Arbeiten sind bergrechtlich durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) genehmigt.
     

Faktenerhebung

Die Einlagerungskammern 7 und 12 auf der 750-Meter-Ebene werden mit Bohrungen erkundet. Die Erkundung der Kammer 7 wurde abgeschlossen. Die Erkundung der Kammer 12 wird vorbereitet.
 

  • Die Mitarbeiter*innen der Arbeitsgruppe Faktenerhebung richten das Bohrort für die Bohrarbeiten zur Einlagerungskammer 12 auf der 750-Meter-Ebene weiterhin ein. Hauptsächlich wird die radiologische Messtechnik eingerichtet.
     

Rückholungsplanung

Die Bergung der Abfälle erfolgt je nach Einlagerungskammer mit unterschiedlichen Techniken.

  • Die Konzeptplanung für die Rückholung der radioaktiven Abfälle von der 750-Meter-Ebene ist abgeschlossen und die Planungsberichte sind fertiggestellt. Die wesentlichen Ergebnisberichte werden für die Veröffentlichung im Internet vorbereitet. Die Ausschreibung der Entwurfsplanung wird derzeit vorbereitet.
     
  • Die Auswertung der Angebote zur ausgeschriebenen Planungsleistung der Entwurfsplanung zur Rückholung der Abfälle von 725-Meter-Ebene ist abgeschlossen. Der Zuschlag zur Vergabe der Planungsleistung wird in Kürze erteilt. 
     
  • Für die Ausschreibung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung der Abfallbehandlungsanlage und des Zwischenlagers sind die Angebote eingegangen und werden derzeit ausgewertet.
     
  • Für den Beleuchtungsprozess zur Überprüfung der Standortentscheidung für das Zwischenlager werden rund wesentliche 70 Dokumente zusammengestellt, die nun durch die Expert*innen geprüft werden sollen.
     

Rückholungsbergwerk und Schacht Asse 5

Für die Rückholung müssen neue Infrastrukturräume und Zugänge zum bestehenden Bergwerk sowie ein Bergungsschacht (Schacht Asse 5) errichtet werden.

  • Im äußersten Osten der 700-Meter-Ebene ist die Bohrung 700-4 mit einer Länge von 400 Metern fertiggestellt. Derzeit finden Messarbeiten im Bohrloch statt.
     
  • Östlich der Schachtanlage Asse II hat die erste von zwei geplanten abgelenkten Bohrungen am 19. Mai ihre Endlänge von rund 1.100 Metern erreicht. Die Bohrung trägt den Namen R15-S1. Derzeit wird eine Radarmessung vorbereitet. Diese soll weiteren Aufschluss über den Aufbau der geologischen Struktur geben. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung vom 22. Januar 2021 unter dem Titel „Nr. 1/21 - Zwei neue Bohrungen starten auf der Asse“.
     

Lösungsmanagement

Im Bergwerk werden aktuell täglich rund 12,5 Kubikmeter Salzlösung aufgefangen. Das Lösungsmanagement regelt den Umgang mit diesen Lösungen.

  • Rund 253 Kubikmeter Salzlösung werden Mitte des Monats nach erfolgter Freigabe gemäß § 31 ff der Strahlenschutzverordnung nach über Tage gebracht. Die abgegebene Lösung stammt von der Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene. In der Charge 2021/07 werden keine Befunde für Tritium und Cäsium-137 gemessen. Die Nachweisgrenzen liegen bei 8,0 Becquerel pro Liter für Tritium und 0,63 Becquerel pro Liter für Cäsium-137. Mit der Nachweisgrenze wird derjenige Wert eines Messverfahrens bezeichnet, bis zu dem die Messgröße (zum Beispiel die spezifische Aktivität von Radionukliden einer Flüssigkeitsprobe) gerade noch zuverlässig nachgewiesen werden kann. Sie ist ein Maß für die Empfindlichkeit des gewählten Analyseverfahrens. Wenn Aktivitätskonzentrationen von Radionukliden so niedrig sind, dass sie nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden konnten, wird die sogenannte Nachweisgrenze angegeben. Sie zeigt die maximal mögliche Aktivität an, die theoretisch noch in einer Probe vorhanden sein könnte.
     
  • Ende des Monates beginnt ein weiterer Abtransport von Lösungen. Der Abtransport geht bis in den Juni hinein. Rund 246 Kubikmeter Salzlösung werden nach erfolgter Freigabe gemäß Paragraph 31 ff der Strahlenschutzverordnung nach über Tage gebracht. Die abgegebene Lösung stammt ebenfalls von der Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene. In der Charge 2021/08 kann Tritium mit einem Messwert von 8,8 Becquerel pro Liter nachgewiesen werden. Cäsium-137 liegt unterhalb der Nachweisgrenze. Die Nachweisgrenze liegt bei 0,50 Becquerel pro Liter.
     

Standortüberwachung und –erkundung

Zur Planung der Rückholung, zur Umsetzung der Notfallplanung und zur Erfassung der Auswirkungen durch den Bergbau muss die Asse überwacht und erkundet werden.

  • Die Erkundungsbohrung R 11 ist gestartet. Sie gehört zum Erkundungsprogramm des geologischen Untergrundes. Die gewonnenen Erkenntnisse können helfen, die Fließwege des Grundwassers im Untergrund besser zu verstehen. Für die Rückholung braucht die BGE ein aussagefähiges hydrogeologisches Modell. Es ist notwendig, um die für das Genehmigungsverfahren erforderlichen Sicherheitsnachweise erbringen zu können. Weitere Informationen finden Sie in der Meldung vom 27. Mai 2021 unter dem Titel „Start der Erkundungsbohrung R 11 auf der Asse“.
     
  • Die erhobenen Daten aus der Erkundungsbohrung R 10, die letzten Monat beendet wurde, werden ausgewertet. Neben der detaillierten geologischen Analyse der Bohrkerne werden Lösungsproben untersucht. Außerdem werden Messdaten der geologischen und hydrogeologischen Tests ausgewertet. Mit der ersten Begutachtung (Kernansprache) ist bereits jetzt absehbar, dass die geologischen Schichten des Zechsteins am Rande des Deckgebirges erreicht wurden. Damit ist das grundsätzliche Erkundungsziel erreicht worden. Das Zechstein ist der Name der Struktur, aus der sich die Salzschichten der Asse zusammensetzen. Die Analyse solcher Strukturen ist wichtig, da bei der urzeitlichen Bildung des Höhenzuges Asse die ursprüngliche Lage und Reihenfolge der Schichten geändert und gestört wurde. Das Wissen um die tatsächliche Situation verbessert die Risikobewertung und damit die Sicherheit der Arbeiten im Bergwerk. Weitere Informationen finden Sie in der Meldung vom 16. April 2021 unter dem Titel „Die Arbeiten an der Erkundungsbohrung R 10 auf der Asse sind beendet. Das Bohrloch wurde gesichert. Es folgt der Umzug zum Bohrplatz R 11.

Bergbauliche Arbeiten

Die Bergleute müssen den sicheren Betrieb der Schachtanlage Asse II gewährleisten.

  • Auf der 490-Meter-Ebene wird begonnen, ein Wettertor im Zufahrtsbereich zum Abbau 8 zu errichten. Hier wurde ein Kipploch für Salz hergestellt. Um die Staubentwicklung im Bergwerk zu begrenzen, wird mit dem Wettertor eine Schleuse an der Kippstelle errichtet.
     
  • In der Wendelstrecke von der 750-Meter-Ebene aufwärts wird ein rund 90 Meter langes Stützbauwerk errichtet. Mit einer Fräse wird zunächst loses Salzgestein entfernt. Anschließend wird das Volumen, dass man weggefräst hat, als Mauer aus Sorelbeton neu errichtet. Für einen gewissen Zeitraum gewährleistet es Stabilität und Sicherheit in dem Bereich.
     

Strahlenschutz

Die Einhaltung und Überwachung des Strahlenschutzes gewährleistet die Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher, der Bevölkerung sowie der Umwelt.

  • Am 26. Mai besuchen Vertreter*innen der Internationalen Atomenergie-Organisation (engl. International Atomic Energy Agency – IAEA) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) die Schachtanlage Asse II und informieren sich über die Sicherheit der Anlage, neue Projekte und den Planungsstand der Rückholung. Zum Besuch gehören eine Besichtigung des Bergwerks, der Erkundungsprojekte über Tage, der übertägigen Anlagen und Labore sowie eine Besprechung der Daten zum radioaktiven Inventar der Schachtanlage. Die IAEA und EURATOM sind international tätig. Zu ihren Aufgaben zählen auch Inspektionen von Anlagen mit einem relevanten Inventar radioaktiver Stoffe mit potentiellen Anteilen spaltbarer Materialien wie bestimmte Uranisotope.
     

Infrastruktur

Über Tage muss die Infrastruktur dauerhaft instandgehalten und modernisiert werden.

  • Die Bauarbeiten am übertägigen Gasflaschenlager werden fortgesetzt.
     

Im Gespräch

Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit können sich alle interessierten Bürgerinnen und Bürger über die Schachtanlage Asse II informieren und mit uns ins Gespräch kommen.

  • Die Ergebnisse der frühen Öffentlichkeitsarbeit werden weiterhin ausgewertet. Das für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung eingerichtete Informationsportal ist weiterhin zugänglich.

Einblick

Aufgenommen im Mai 2021

Die Asse ist Lebensraum für zahlreiche Amphibien. Die Kreisstraße von Groß Vahlberg nach Remlingen kreuzt die Wanderwege der Tiere. Auf Anregung der örtlichen Naturschutzvereine ist daher ein um den gesamten Parkplatz östlich der Schachtanlage Asse II führender Amphibienschutzzaun errichtet worden. Dadurch werden die Tiere um die Gefahrenstelle geleitet. Neben den Maßnahmen am Parkplatz Ost, wurden auch an anderen Betriebsteilen Amphibienschutzmaßnahmen umgesetzt.