Aktuelle Arbeiten - Schachtanlage Asse II

Übersicht über die wesentlichen Arbeiten im Oktober 2021
 

Stabilisierung und Notfallplanung

Die Rückholung kann nur in einem langfristig stabilen Bergwerk erfolgen. Zudem müssen Vorbereitungen für einen möglichen Notfall getroffen werden.

  • In rund 810 Metern Tiefe werden weiterhin Kavernenstrecken hergerichtet. In den Strecken können Lösungen gespeichert werden, die zum Beispiel nicht planmäßig nach über Tage abgegeben werden können. Damit die Lösung auch in der Strecke verbleibt, muss der Zugang mit einem Bauwerk aus einem speziellen Salzbeton (Sorelbeton) verschlossen werden. Für weitere Streckenverschlüsse wird an Bohrungen gearbeitet, durch die der Beton zwischen zwei Schalungen verpumpt wird.
     
  • Am Fuße des Schachts Asse 2, 800 Meter unter der Tagesoberfläche, werden tonnenschwere Stahlträger ausgebaut. Diese waren Teile riesiger Krananlagen, die in den 1980er Jahren für Einlagerungsversuche aufgebaut worden waren. Jetzt wird nicht mehr benötigter Stahl aus dem Bergwerk entfernt. Stahl könnte im Falle eines nicht mehr kontrollierbaren Lösungszutritts korrodieren und Gas bilden. Dieses Gas könnte als Transportmedium für radioaktive Stoffe dienen. Ziel der BGE ist es, eine mögliche Gasbildung so weit wie möglich zu reduzieren.
     

Erkundung von Einlagerungskammern

Alle Einlagerungskammern auf der 750-Meter-Ebene werden mit Bohrungen erkundet. Die Erkundung der Kammer 7 wurde abgeschlossen. Die Erkundung der Kammer 12 wird vorbereitet.
 

  • Im Oktober wurde der Arbeitsbereich vor Kammer 12 weiter eingerichtet. Unter anderem wurde die Dekontaminationsdusche aufgebaut. Sollte etwa aus der Bohrung Radioaktivität in Form von Staub austreten, können Personen vor dem Verlassen des Bereiches dort dekontaminiert werden. Viele radioaktive Stoffe sind abwaschbar, sodass hier mit einfachen aber wirkungsvollen Mitteln ein gutes Ergebnis zum Schutz der Belegschaft erreicht werden kann. Diese Dusche hat einen speziellen Auffangbehälter für das Spülwasser. So ist dafür gesorgt, dass kontaminiertes Duschwasser separat gefasst und behandelt wird.
     

Rückholungsplanung

Die Bergung der Abfälle erfolgt je nach Einlagerungskammer mit unterschiedlichen Techniken.

  • Nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren hat die Firma Bilfinger Noell GmbH den Zuschlag für die Entwicklung der Bergetechnik für die Rückholung der Abfälle aus den Einlagerungskammern 7/725 und 8a/511 für die Schachtanlage Asse II erhalten. Der Auftrag umfasst ein Volumen von mehr als 18 Millionen Euro. Ziel ist, den radioaktiven Abfall in den kommenden Jahrzehnten mit Spezialmaschinen zunächst zu bergen und dann nach einer Behandlung und neuen Verpackung zunächst zwischenzulagern und später sicher endzulagern. Hierfür bedarf es eines weiteren Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle; ein geeigneter Standort wird im Zusammenhang mit dem Endlager für hochradioaktive Abfälle gesucht. Weitere Informationen finden Sie in der Meldung vom 29. Oktober 2021.

  • Am 18. Oktober 2021 wird der Expert*innenbericht "Beleuchtung des Standortauswahlverfahrens für ein Zwischenlager im Rahmen der Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II" übergeben und veröffentlicht. Untersucht wurde, ob die Entscheidung für ein standortnahes Zwischenlager für die rückgeholten Abfälle sachgerecht war. Den Expert*innenbericht und ergänzenden Unterlagen finden Sie im Bereich Wesentliche Unterlagen auf unserer Internetseite (Stichwort: Beleuchtungsprozess).

  • Im Rahmen der beiden Ausschreibungen zur Entwurfsplanung sowie zur Entwicklung der Bergetechnik für die Rückholung der radioaktiven Abfälle von der 750-Meter-Ebene sind die Angebote für die Bietergespräche eingereicht worden. Diese werden zurzeit ausgewertet und im Anschluss zu den Gesprächen eingeladen.
     

Rückholungsbergwerk und Schacht Asse 5

Für die Rückholung müssen neue Infrastrukturräume und Zugänge zum bestehenden Bergwerk sowie ein Bergungsschacht (Schacht Asse 5) errichtet werden.
 

  • Als ergänzende Messung zum bisherigen Erkundungsprogramm des Salzgesteins östlich der Schachtanlage Asse II ist vorgesehen, eine Bohrlochtomographie durchzuführen. Dabei werden Signale zwischen den Bohrungen gesendet und empfangen. Im September wurde eine rund einhundert Meter lange Probebohrung erstellt. Im Oktober fand ein erster Handlings-Versuch für die Tomographie darin statt.
     

Lösungsmanagement

In die Schachtanlage Asse II dringen salzhaltige Lösungen aus dem Deckgebirge ein. Das Lösungsmanagement regelt den Umgang mit diesen Lösungen.

  • Rund 253 Kubikmeter Salzlösung werden in der Charge mit der Bezeichnung 2021/14 nach erfolgter Freigabe gemäß Paragraph 31 bis 42 der Strahlenschutzverordnung nach über Tage gebracht. Die Kampagne findet Anfang des Monats statt. Die abgegebenen Lösungen stammen von der Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene (Sohle). In der Charge 2021/14 werden weder Tritium noch Cäsium-137 nachgewiesen. Die Nachweisgrenzen liegen bei 7,8 Becquerel pro Liter für Tritium und 0,53 Becquerel pro Liter für Cäsium-137 pro Liter. Mit der Charge 2021/15 werden Ende des Monats weitere 264 Kubikmeter Salzlösung abgegeben. Auch in diesem Fall werden weder Tritium noch Cäsium-137 nachgewiesen. Die Nachweisgrenzen liegen bei 7,7 Becquerel pro Liter für Tritium und 0,61 Becquerel pro Liter für Cäsium-137 pro Liter. Mit der Nachweisgrenze wird derjenige Wert eines Messverfahrens bezeichnet, bis zu dem die Messgröße (zum Beispiel die spezifische Aktivität von Radionukliden einer Flüssigkeitsprobe) gerade noch zuverlässig nachgewiesen werden kann. Sie ist ein Maß für die Empfindlichkeit des gewählten Analyseverfahrens. Wenn Aktivitätskonzentrationen von Radionukliden so niedrig sind, dass sie nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden konnten, wird die sogenannte Nachweisgrenze angegeben. Sie zeigt die maximal mögliche Aktivität an, die theoretisch noch in einer Probe vorhanden sein könnte.

Standortüberwachung und –erkundung

Zur Planung der Rückholung, zur Umsetzung der Notfallplanung und zur Erfassung der Auswirkungen durch den Bergbau muss die Asse überwacht und erkundet werden.

  • Die Geowissenschaftler*innen am Standort Asse bereiten eine Georadaruntersuchung des Bergwerksgeländes des ehemaligen Bergwerks Asse I vor. Die alten Gebäude aus dem vorletzten Jahrhundert sind längst verschwunden. Ob noch Hohlräume vorhanden sind, soll mittels einer Georadarsonde festgestellt werden. Da die Daten mit einem GPS-Signal gekoppelt werden, ist damit bei gleichzeitig vermindertem Personalaufwand eine genauere Vermessung möglich.
     

Bergbauliche Arbeiten

Die Bergleute müssen den sicheren Betrieb der Schachtanlage Asse II gewährleisten.

  • Rund 620 Metern unter der Tagesoberfläche wird weiter an einem Stützbauwerk und einer Lagerfläche an der Hauptverbindungsstrecke im Bergwerk (Wendelstrecke) gearbeitet. Hier haben Bergleute die Strecke gefräst, um brüchiges Salz zu entfernen. Damit die tragenden Seiten der Strecke jedoch nicht mit jedem Nachschnitt kleiner werden, werden Stützmauern aus einem speziellen Salzbeton die errichtet, um die Mächtigkeit der tragenden Elemente wiederherzustellen.
     
  • Aufgrund gebirgsmechanischer Beanspruchung wird ein weiteres, kleineres Stützbauwerk in der großen untertägigen Baustoffanlage in 700 Metern Tiefe errichtet. Die Arbeiten, die im September begonnen hatten, werden fortgesetzt.
     
  • Im Bereich des Füllortes am Schacht Asse 2 in 490 Metern Tiefe hatte sich die Fahrbahn so gewölbt, dass das Schachttor am Belag zu schleifen drohte. An einem Wochenende im Oktober, an dem der reguläre Betrieb durch diese Tätigkeit nicht eingeschränkt wurde, wurde die Fahrbahn entfernt und ausgebessert. Größere Arbeitseinsätze am Wochenende sind immer dann nötig, wenn der reguläre Betrieb sonst zu sehr eingeschränkt würde.

Infrastruktur

Über Tage muss die Infrastruktur dauerhaft instandgehalten und modernisiert werden.

  • Derzeit wird eine Rohrleitungstrasse auf dem Gelände der Schachtanlage verlegt.
     

Strahlenschutz

Die Einhaltung und Überwachung des Strahlenschutzes gewährleistet die Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher, der Bevölkerung sowie der Umwelt.
 

  • Am 28. Oktober 2021 findet auf der Schachtanlage Asse II eine große Alarmübung statt. Begleitet von Beobachtern des Bundesamts für die Sicherheit in der nuklearen Entsorgung (BASE) und des Landesbergamts (LBEG) wird ein Szenario geprobt, bei dem zusätzlich zur Werkfeuerwehr der Schachtanlage Asse II die Freiwilligen Feuerwehren Schöppenstedt und Remlingen nachgefordert werden. Die Übung wird vom Leiter der Werkfeuerwehr und den drei neu eingesetzten Fachberatern Strahlenschutz der Werkfeuerwehr geplant und bewertet. Weitere Informationen finden Sie in einem Bericht auf unserer Internetseite www.einblicke.de.
     

Im Gespräch

Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit können sich alle interessierten Bürgerinnen und Bürger über die Schachtanlage Asse II informieren und mit uns ins Gespräch kommen.

Einblick

Rettung mit der Drehleiter


Am 28. Oktober 2021 hat eine große Alarmübung an der Schachtanlage Asse II stattgefunden. Die Werkfeuerwehr bekam Unterstützung von den Freiwilligen Feuerwehren aus Schöppenstedt und Remlingen. Rund 50 Menschen und 10 Fahrzeuge waren an der Übung beteiligt. Geübt wurde neben der Rettung aus großer Höhe ein Löschangriff im selben Gebäude und der Umgang mit Kontamination. Die Werkfeuerwehr kooperiert mit den Wehren des Landkreises. Von außen kann Unterstützung angefordert werden, umgekehrt rückt die Werkfeuerwehr aus. Besonders im Bereich des Strahlenschutzes kann die Werkfeuerwehr mit Ausrüstung und gut geschultem Personal aufwarten. Drei Fachberater Strahlenschutz sind einsatzbereit. Die gesamte Mannschaft der Werkfeuerwehr wird seit Jahren für den Strahlenschutzeinsatz geschult.