Meldung – Veranstaltung

Was die junge Generation an der Endlagersuche interessiert

„Warum sucht eigentlich jedes Land in Europa alleine für sich nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle?“  Diese Frage war die erste, die im Auftaktgespräch zur Dialogreihe „Mitreden bei der Endlagersuche“ am Montag, 10. Mai 2021, im Raum stand – für junge Europäer*innen ist dies schwer zu verstehen. Die Wissenschaftsjournalistin Shary Reeves, stellte diese Frage dann ihren beiden Gesprächspartnern: Dem für die Standortauswahl zuständigen Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Steffen Kanitz, und dem Abteilungsleiter Forschung des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Jochen Ahlswede. „Wir haben in Deutschland alle drei möglichen Wirtsgesteine, in denen ein sicheres Endlager gebaut werden kann. Die Chancen, dass ein solches Endlager in Deutschland entstehen würde, wären groß,“ antwortete Steffen Kanitz. Jochen Ahlswede betonte, jedes Atommüll-produzierende Land trage die  Verantwortung für für seine gefährlichen Abfälle. Gleichzeitig hat er unterstrichen, dass man durch den Austausch über Landesgrenzen hinweg voneinander lernen kann. Und am Ende der Veranstaltung war das eine Erkenntnis, die mehrere Teilnehmer*innen als für sie neu aber wichtig formulierten, die sie aus der Veranstaltung mitnehmen wollten. Die Dialogreihe wird von BGE und BASE gemeinsam veranstaltet. Am 17. Mai und am 31. Mai folgen zwei weitere Termine, zunächst am 17. Mai das Mitmachpaket, und am 31. Mai wird ein Planspiel mit jungen Leuten gespielt.  

Viel Interesse gab es bei der Auftaktveranstaltung auch für die Lösungen der europäischen Nachbarn, sei es die Schweiz oder Finnland. Zum Start der ersten Veranstaltung der Dialogreihe – dem Infopaket – ist zudem nach der Wirkung von Erdbeben und die Möglichkeiten einer Rückholung der strahlenden Abfälle gefragt worden. Shary Reeves, will auf jeden Fall am Thema dran bleiben. Und das sagten am Ende der Veranstaltung auch die meisten jungen Teilnehmer*innen. „Super spannend“, sagte Shary Reeves.

In sieben inhaltlichen Workshops konnten sich die Teilnehmer*innen der dreistündigen Digitalveranstaltung über die radioaktiven Abfälle und ihre Herkunft informieren. Ein Vertreter der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung und ein Vertreter des BASE informierten über den Status quo, also die Frage, wo die hochradioaktiven Abfälle aktuell liegen und wie sicher sie dort sind, bis ein Endlager gefunden ist. BASE und BGE sowie die unabhängige Verfahrensbegleitung, das Nationale Begleitgremium (NBG), informierten aus ihrer jeweiligen Rolle im Suchverfahren über den Standortauswahlprozess. Ein junger Wissenschaftler der BGE zeigte unterstützt von einem jungen Wissenschaftler aus dem BASE, was sich aus den interaktiven Karten der BGE und aus anderen Datenquellen herauslesen lässt. „Das war super. Das hätte ich noch viel länger machen können“, kommentierte ein Student im Anschluss. Eine junge Wissenschaftlerin der BGE sowie ein Vertreter des BASE brachten einer weiteren Gruppe junger Leute die Geologie sowie die Auswahlkriterien für einen Endlagerstandort näher. Jochen Ahlswede und einer seiner Kollegen aus dem BASE diskutierten mit zwei Gruppen junger Leute die Vor- und Nachteile neuer Reaktortechnologien, die versprechen, die hochradioaktiven Abfälle weniger gefährlich zu machen. Das Stichwort dazu lautet: Transmutation. Das Fazit des BASE war: Eine Lösung der Entsorgungsfrage ist durch diese Technologieversprechen auf absehbare nicht zu erwarten – mit ihnen werden sogar neue Risiken erzeugt werden. „Das war super kompetent und verständlich erklärt“, sagte eine Studentin im Anschluss. Eine BGE-Expertin und ein BASE-Experte berichteten über die Lösungen der Nachbarstaaten und das internationale Regelwerk im Umgang mit hochradioaktiven Abfällen.

„Der Einstieg ins Thema ist gelungen“, sagt Svenja Faßbinder. Die junge Frau aus Wunsiedel arbeitet seit Februar in der Arbeitsgruppe Vorbereitung für die Fachkonferenz Teilgebiete (AGV) mit. Die Arbeitsgruppe bereitet aktuell den zweiten Beratungstermin (10.-12. Juni 2021) für dieses erste formelle Beteiligungsverfahren bei der Endlagersuche vor. Sie lud die jungen Teilnehmer*innen in die Fachkonferenz ein. Denn am Auftaktabend (10. Juni) ist ein Zeitraum für die junge Generation und ihre Wünsche an die Beteiligung reserviert. Außerdem lud Svenja Faßbinder die jungen Leute ein, ihre eigene Expertise im Nebenprogramm der Fachkonferenz anzubieten. Sie war beeindruckt von einer jungen Studentin, die ihre Abschlussarbeit über „wicked problems“, also nahezu unlösbare, verzwickte Probleme, schreibt. „Das wäre doch auch etwas für die Fachkonferenz“, sagt sie.

Schon am Montag, 17. Mai 2021, geht es weiter mit der Dialogreihe „Mitreden bei der Endlagerung“, die von BASE und BGE gemeinsam organisiert wird. Dann steht das Mitmachpaket auf der Tagesordnung. Dort haben junge Leute dann auch die Chance, sich für einen Auftritt vor der Fachkonferenz Teilgebiete zu melden – und ihre Wünsche und Forderungen an eine gelungene Jugendbeteiligung zu formulieren. Anmeldungen sind noch möglich unter: veranstaltung(at)bge.de Das Programm und weitere Informationen auch über die Vorgeschichte der Veranstaltungsreihe sind hier zu finden: https://www.base.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BASE/DE/2021/0427_jugendworkshop.html;jsessionid=0243CEAF6245E21637FB104B2904DE17.1_cid349 Der dritte Teil der Veranstaltungsreihe folgt am 31. Mai 2021 – wie alle Veranstaltungen der Reihe ab 17 Uhr. Dann steht das Planspiel der BGE auf der Tagesordnung. Dabei geht es darum, verschiedene Rollen in der Diskussion um die Endlagerung einzunehmen, und in diesen Rollen nach einer Lösung für ein verzwicktes Problem zu suchen.

Die Journalistin Shary Reeves (oben rechts) hat im Auftaktgespräch mit BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz (oben links) und mit Jochen Ahlswede (Abteilungsleiter Forschung BASE) (unten links) einige schwierige Fragen gestellt.