Die Aufgaben der Markscheiderei: Gruben, Grenzen, Geodaten

Bei der flächendeckenden Überwachung der Stabilität im Endlager Morsleben kommt den Mitarbeiter*innen der Markscheiderei eine zentrale Bedeutung zu: Das regelmäßige Messen und Dokumentieren von Bewegungen in einem Bergwerk ist ihre die Kernaufgabe. Die Messungen erfassen Änderungen im Grubengebäude – die Fachperson spricht von geomechanischer Überwachung. 

Alter Name, aktuelle Aufgaben

So historisch die Begriffe „Markscheiderei“ oder „Markscheidewesen“ wirken – der Aufgabenbereich ist auch aus dem modernen Bergbau nicht wegzudenken. Die Markscheiderei ist der Ursprung des modernen Vermessungswesens. 

Bereits im Mittelalter gab es das Berufsbild des Markscheiders. Seine Aufgabe war es auch damals, Tage- und Untertagebaue zu vermessen, Grenzen festzulegen und Gebiete zuzuordnen. In der althochdeutschen Sprache stand das Wort „marca“ für Grenze. „Scheiden“ bedeutet „trennen“. Der Markscheider legt also Grenzen fest und ordnet Bergbaugebiete verschiedenen Bergbautreibenden zu. Auch erste Risswerke – das Kartenwerk des Bergbaubetriebs – erstellte er schon. 

Damals wie heute ist der/die Markscheider*in stets objektiv. Um das zu gewährleisten, heißt es im § 64 Abs. 2 Bundesberggesetz (BBergG): „Die Markscheider sind bei Anwendung ihrer Fachkunde weisungsfrei. Der Markscheider ist befugt, innerhalb seines Geschäftskreises Tatsachen mit öffentlichem Glauben zu beurkunden.“ Ein*e Auftraggeber*in darf den/die Markscheider*in also fachlich nicht beeinflussen. Verantworten muss sich der/die Markscheider*in stets vor der zuständigen Bergbehörde.

Vom Erkunden eines Standortes, über Planung und Betrieb bis zur Sanierung und der Nachbergbauphase ist das Markscheidewesen in allen Phasen des Bergbaus beteiligt. Und die Aufgaben sind gefragter denn je. Markscheider*innen erfassen und verarbeiten eine Vielzahl von Geodaten. Aus diesen Daten erstellen sie beispielsweise digitale 3D-Modelle. Solche Modelle bilden auch die Zukunft des Bergbaus ab, denn sie ermöglichen den besonders zielgerichteten Umgang mit dem Gebirge. Solche Modelle begünstigen auch die Planung zur umwelt- und ressourcenschonenden Stilllegung des Endlagers Morsleben.

Ein konkretes Beispiel bildet die Maßnahme zur „bergbaulichen Gefahrenabwehr im Zentralteil“ des Endlagers Morsleben. Der geomechanischen Überwachung  ist es zu verdanken, dass ein Schädigungsprozess im Zentralteil der Grube Bartensleben frühzeitig erkannt und aufgehalten wurde. Auslöser dieses Prozesses waren der hohe Durchbauungsgrad des Grubengebäudes und die lange Standzeit der großen Abbaukammern. In der Grube Bartensleben wurde bis 1969 hochwertiges Steinsalz abgebaut. Zurück blieben Abbaukammern, die Hohlräume bis zu 140.000 Kubikmetern aufwiesen.

Im Rahmen des Projekts „bergbauliche Gefahrenabwerh im Zentralteil“ liefen von 2003 bis 2011 umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung. Bergleute verfüllten 27 Abbaukammern im Zentralteil mit Salzbeton. Die Markscheider*innen begleiteten den gesamten Prozess – von der Planung bis zur langfristigen Kontrolle im Nachgang. 

Zusammenfassend ist die Markscheiderei beteiligt an allem, was bergbaulich relevant ist und die nachhaltige sowie sichere Nutzung einer Lagerstätte ermöglicht. Dabei fällt ein umfangreicher Geodatenbestand zur Planung, Steüuerung und Dokumentation des Bergbaubetriebes an. Hieraus leiten die Markscheider*innen auch ein modernes Risswerk des Endlagers Morsleben ab. Dieses wird zwei Mal jährlich dem zuständigen Bergamt als Aufsichtsbehörde zur Verfügung gestellt. 

Das Kartenwerk des Bergwerks - auch Risswerk genannt - wird von der Markscheiderei erstellt

 

Ein Mitarbeiter der Markscheiderei baut auf abschüssigem Gelände unter Tage einen Laserscanner auf