Aktuelle Arbeiten - Endlager Morsleben

Übersicht über die wesentlichen Arbeiten im Oktober 2020 (Kalenderwoche 40 bis 44/2020)

 

Sichere Stilllegung des Endlagers

Die BGE muss die Funktionalität von Stilllegungsmaßnahmen aufzeigen. Für die vertieften Planungen müssen Untersuchungen durchgeführt werden.

  • Am 2011 fertiggestellten In-Situ-Versuchsbauwerk im Steinsalz auf der 2. Ebene (Sohle) werden weitere Untersuchungen durchgeführt: In der Begleitstrecke haben Bergleute mit Hilfe einer Bohranlage ein 31 Meter tiefes Bohrloch in das zweite Segment des Bauwerks gestoßen. Das etwa tellergroße Ziel ist das entfernte und verfüllte Hüllrohr.

Gewährleistung der Betriebssicherheit

Bergleute müssen das Endlager nach Atom- und Bergrecht betreiben.
 

  • Alarmübung für die Grubenwehr Morsleben mit Unterstützung der Grubenwehr der Schachtanlage Konrad: Die jährlich stattfindende unangekündigte Übung ist bergrechtlich gefordert und soll die Einsatzbereitschaft der Grubenwehrmitglieder überprüfen. Mehr Informationen finden Sie unten in unserem „Einblick".

  • Mitarbeiter aus der Gruppe Fördertechnik haben nach Bergverordnung die Qualifikation als Fördermaschinist erworben. Die abschließende Prüfung erfolgte durch einen unabhängigen Sachverständigen.

  • Mitarbeiter führen die jährliche realitätsnahe Übung mit mobilen Ersatzstromaggregaten (MESA) am 10.10.2020 aus: Die MESA betreibt dabei zu Testzwecken die Hilfsfahranlage Schacht Bartensleben.

 

Erhalt der Stilllegungsfähigkeit und Optimierung des Betriebes

Mittel- bis langfristig muss die BGE die Stilllegungsfähigkeit des Endlagers erhalten und den Betrieb optimieren.

  • Im Mehrzweckgebäude der Schachtanlage Bartensleben schreiten die Sanierungsarbeiten  weiter voran: nach den abschließenden Bauarbeiten der umgebauten Bergbaukauen konnte bereits endgereinigt werden. Die Räume werden nun eingerichtet. 
     
  • In Umsetzung einer Forderung der 50. Änderung der Dauerbetriebsgenehmigung wird am Übergang zwischen Seilfahrtsbrücke  und Mehrzweckgebäude (MZG) ein Drehkreuz zur Steuerung des Personenübergangs aufgebaut.

Meldepflichtiges Ereignis

Betriebsstörungen oder Störfälle bis zu Unfällen sind den zuständigen Aufsichtsbehörden zu melden. Grundlage ist die Atomrechtliche Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung (AtSMV) in Verbindung mit der Meldeordnung des ERAM.

  • Am 9. Oktober kommt es zu einer Störung in der Signalübertragung von der Tropfenzählanlage im Abbau 1a auf der ersten Sohle (Ebene) nach über Tage. Ein Lichtschrankensensor, der sich zurzeit noch im Probebetrieb befindet, war durch Salzausfällungen verschmutzt.  In Folge der Verschmutzung lief in der zentralen Warte ein Dauersignal auf, das fehlerhaft auf die Überschreitung eines Schwellenwerts der gezählten Tropfen hinwies. Nach der Reinigung funktioniert der Sensor wieder ordnungsgemäß. Es werden Maßnahmen getroffen, damit eine erneute Verschmutzung zukünftig vermieden wird. 
    Die Tropfenzählanlage überwacht den Zutritt von Lösungen im Abbau 1a im Zentralteil der Schachtanlage Bartensleben. Sie ermöglicht den Nachweis der aufgefangenen Menge des Lösungszutritts pro Zeiteinheit. So kann bereits auf geringe Änderungen der Zutrittsmenge frühzeitig reagiert und Ursachenforschung betrieben werden.  
    Eine N-Meldung (Normalmeldung mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung) ging fristgerecht an das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE).

 

Einblick

Morsleben 27.10.2020, Frühschicht 11:16 Uhr – Lautsprecher- und Funkdurchsagen:

„Es ist Grubenalarm!“

 

Was war passiert? Den Dispatcher erreicht die Meldung: „Auf der 3. Sohle in der 1. nördlichen Richtstrecke nach Marie ist ein Fahrzeug verunglückt und in Brand geraten. Der Fahrer ist verletzt.“  - Klingt nach einer äußerst angespannten Lage! Nach kurzer Konsultation wird entschieden, zur Unterstützung der Grubenwehr Morsleben einen weiteren Trupp der Schachtanlage Konrad anzufordern.

In kürzester Zeit ist die Grubenrettungsstelle besetzt, die Einsatzleitung unter der Leitung des Werksleiters tritt zusammen und die Grubenwehr formiert sich. Bereits nach 16 Minuten kann der Leiter der Morslebener Grubenwehr die Einsatzbereitschaft von 2 Trupps vermelden. Kurze Zeit später kommt das Signal von Schacht Konrad, dass der dort angeforderte Trupp zur Unterstützung auf dem Weg ist.

Was dann ablief kann kurz als professionell zusammengefasst werden: Trupp 1 suchte und versorgte den Verletzten und brachte ihn mit Hilfe der Ausrüstung des Verletztentransportfahrzeuges nach über Tage. Trupp 2 errichtete einen pneumatischen Wetterdamm zum Eindämmen des simulierten Brandes. Auch für den Trupp Konrad blieb noch eine Aufgabe: Schließen eines Wettertores im Nordfeld der 3. Ebene (Sohle) um ein Ausbreiten der Brandgase über diesen Weg zu verhindern. Obwohl der Anmarschweg über Altbergbaubereiche erfolgen musste, konnte auch diese Aufgabe zügig erfüllt werden. 

Zum Glück - alles nur Übung! Aber diese Übungen sind wichtig, damit Handlungsabläufe für den Ernstfall in Fleisch und Blut übergehen.

Im Ergebnis kann Folgendes festgehalten werden:

  • Beide Grubenwehren, Morsleben und Konrad, waren in weniger als 30 Minuten einsatzbereit
  • Die Fahrzeit der Grubenwehr Konrad von Salzgitter nach Morsleben betrug weniger als 1 Stunde
  • Die Rettung der verletzten Person verlief reibungslos innerhalb kürzester Zeit
  • Mit dem Schließen des Wettertores war die Aufgabe 2 Stunden und 28 Minuten nach der Alarmierung erfüllt

In der abschließenden „Manöverkritik“, an der auch ein Vertreter der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen Clausthal-Zellerfeld teilnahm, gab es daher nichts zu bemängeln. Der Werksleiter bedankte sich bei allen Einsatzkräften für das schnelle und sichere Handeln, gerade unter den derzeitigen erschwerten Randbedingungen.