Einblicke: Ihre Anlagestrategie ist sehr breit, das haben Sie schon beschrieben. Wie definieren Sie Nachhaltigkeit für die Anlagen für den KENFO?
Anja Mikus: Wir beziehen die Nachhaltigkeit natürlich auf alle Kapitalanlagen. Denn wir haben per Gesetz den Auftrag, die Finanzierung sicher zu stellen und unsere Renditeziele zu erfüllen. Wir haben also definitiv keinen Förderauftrag – beispielsweise für erneuerbare Energien. Aber wir haben einen Nachhaltigkeitsansatz entwickelt, der nachweislich auch einen finanziellen Mehrwert liefert. Unser Nachhaltigkeitsansatz besteht aus mehreren Komponenten. Zum einen orientieren wir uns an internationalen Standards wie dem Global Compact der Vereinten Nationen (externer Link). Wer dieses Rahmenwerk konsequent und mit eigenen Ressourcen folgt, schließt schonmal die schwierigen Themen wie beispielsweise Kinderarbeit oder Korruption aus.
Weitere internationale Standards sind die UN-Principles for Responsible Investment, also die Standards für verantwortungsvolles Investieren. Zudem orientieren wir uns an Nachhaltigkeitsratings, die Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung bewerten. Da orientieren wir uns am Nachhaltigkeitsrating der Unternehmen und schließen die 25 Prozent schlechtesten in jeder Branche dann immer aus. Damit hat man die Unternehmen mit dem größten Fehlverhalten aus dem Portfolio raus. Dann haben wir noch zentrale Ausschlüsse. Dazu gehört natürlich die Kernenergie. Kohle wird zur Unterstützung der Klimaziele der Bundesregierung ebenfalls ausgeschlossen. Wir wollten die Kohle ohnehin nicht im Portfolio, denn wir müssen ja nach vorne schauen und nicht rückwärts. Klima ist das große Zukunftsthema. Außerdem haben wir noch Fracking, Ölsande und Waffen ausgeschlossen.
Einblicke: Wer sitzt denn im Kuratorium und unterstützen die Sie auch beim Thema Nachhaltigkeit?
Anja Mikus: Im Kuratorium des KENFO sind zum einen alle im Parlament vertretenen Parteien vertreten sowie Vertreterinnen und Vertreter von Bundesfinanzministerium, Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium. Das Kuratorium hat Nachhaltigkeitsgrundsätze beschlossen und diese geben uns einen gewissen Rahmen für die Ausgestaltung der Details. Mit den ESG-Zielen (Environmental, Social, Governance/Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) und dem Ziel, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, wurde ein Rahmen gesetzt. Und das hat uns Rückenwind gegeben. Über die Nachhaltigkeitskriterien haben wir einen Zusatzertrag durch bessere Performance erzielt, beispielsweise haben Unternehmen, die Fracking betreiben, im vergangenen Jahr extrem stark verloren.
Für mich waren Rendite und Nachhaltigkeit noch nie ein Gegensatz. Langfristig ist es die Absicht der Gesellschaft, klimaneutral zu werden. Deshalb werden entsprechende „Preisschilder“ an die hohe Kohlenstoffintensität gehangen, was der Profitabilität schadet. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg hängen voneinander ab. Wir sind deshalb unter anderem auch der Klimaallianz der Vereinten Nationen beigetreten, der Asset Owner Alliance (externer Link) für die Net-Zero-Ziele. Eine große Unterstützung haben die Mitglieder dieser Allianz für ihren Weg hin zur Klimaneutralität auch in einem Gespräch mit dem UN-Generalsekretär António Guterres erfahren.
Einblicke: Diese Strategie führt natürlich zu einer hohen Transparenz und macht Ihr Anlagekonzept auch ziemlich unangreifbar, oder?
Anja Mikus: Wir finden uns in diesem Kreis der großer Asset-Owner auch ganz gut aufgehoben. Dadurch gewinnen wir an Schlagkraft, das Klimaziel gemeinsam mit der Wirtschaft zu verfolgen. Wir werden nicht warten, bis wir 2050 Null Emissionen erreicht haben.
Einblicke: Das ist sehr motivierend, so perfekt unterstützt zu werden.
Anja Mikus: Perfekt ist es nie. Denn das Thema ist sehr dynamisch. Aber unser Ziel ist es, mit den Investitionen auch auf die Industrie Druck auszuüben, ihre Emissionen zu senken. Dort werden bereits enorme Anstrengungen unternommen. Der Ausschluss von Anlagen allein ist nicht so wirkungsvoll, als wenn man diejenigen auswählt, die am besten im Veränderungsprozess unterwegs sind. Das hat das viel mehr Wirkung, als in bestehende Solarparks zu investieren. Eine messbare Wirkung ist uns wichtig.
Einblicke: Was machen Sie denn, wenn in der neue Taxonomie der Europäischen Union für Geldanalagen die Atomenergie wieder reinkommt?
Anja Mikus: Wir haben die Atomenergie ausgeschlossen. Und dabei wird es auch bleiben, denn das ist unsere Präferenz. Investoren müssen eine eigene Meinung haben.
Die Fragen stellte Dagmar Dehmer.