Einblicke: Was verstehen Sie denn unter Beteiligung?
Marion Durst: Neben den gängigen Definitionen ist Beteiligung aus meiner Perspektive auch, die bestehenden Verhältnisse der Endlagersuche zu hinterfragen. Was junge Leute tun, ist das zu hinterfragen, was wir im Prozess längst als gegeben ansehen. Muss es ein Tiefenlager sein? Muss es ein Wirtsgestein sein? Geht nicht auch ein Endlager für ganz Europa? Auch das sehe ich als Beteiligung. In der kritischen Öffentlichkeit ist das höchstwahrscheinlich nicht genug.
Einblicke: Da merkt man, auf wie vielen Ebenen und Vertiefungen die Diskussion läuft. Möchten die jungen Leute die Themen nicht besser sortiert haben?
Marion Durst: Ich glaube auch, dass diese Politisierung von Begriffen mit zunehmendem Alter kommt. Bei jungen Leuten erlebe ich das selten. Vermutlich würden sie eher fragen: Warum hängen wir uns denn jetzt an einem Begriff auf? Eine Sortierung der Themen wäre schon hilfreich. Und sprachlich müssen unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Da fehlt mir bisher die Differenzierung, und ich sehe das als Problem. Das fängt schon an mit der Definition von interessierter Öffentlichkeit und der allgemeinen Öffentlichkeit. Das versteht kaum jemand außerhalb des Beteiligungsprozesses. Auch fehlt jungen Leuten Humor in der Diskussion. Sie wollen auch bei schweren Themen mal lachen können. Aber viele der älteren Menschen haben andere Erfahrungen gemacht und fühlen sich dabei angegriffen. Das ist schon schwierig. Warum nicht auf der Homepage: Für Anfänger, für Fortgeschrittene, für Profis?
Einblicke: Wir haben zum Teil wissenschaftliche Veranstaltungen gemacht, haben sie aber natürlich geöffnet, um Transparenz herzustellen. Viele aus der interessierten Öffentlichkeit wollen genau da mitdiskutieren, weil sie befürchten, dass sie sonst Themen verpassen und möglicherweise die Transparenz fehlt. Die interessierte Öffentlichkeit hat oft kein großes Interesse daran, die Informationen zu verallgemeinern oder zu vergröbern, um Leuten den Einstieg in die Debatte zu erleichtern, denn sie selbst, und die die es verstehen müssen, wissen ja, um was es geht.
Marion Durst: Viele aus der interessierten Öffentlichkeit sind sehr sachkundig und diskutieren da intensiv mit. Sie diskutieren auf einer Ebene, die in die Tiefe geht und von Einsteigern nicht verstanden wird. Damit wird diesen wiederum der Einstieg in die Debatte erschwert. Und das führt dann dazu, dass neue Leute in der Diskussion nur den emotionalen Gehalt wahrnehmen, nicht wissen, worüber da gestritten wird, aber spüren, dass sie manchmal für irgendetwas vereinnahmt werden sollen. Wir haben solche Erfahrungen bei Veranstaltungen des Nationalen Begleitgremiums auch schon gemacht. Viele Neueinsteiger haben den Eindruck, dass das alles viel zu kompliziert ist. Im Physik-Unterricht mache ich nichts anderes, als das Fachliche ins Verständliche zu übersetzen. Ich spiele auch mal Theater im Physikunterricht, für Wissenschaftler ist das haarsträubend. Aber mir geht es darum, ein Grundverständnis zu vermitteln, und das führt dann dazu, dass ich wissenschaftlich auch mal etwas unscharf werde.