In seinen Epigrammen spottete Erich Kästner über den Fortschritt und die Wissenschaft, die den „Umweg als die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten” hervorgebracht haben. Tatsächlich nimmt Forschung, insbesondere anwendungsorientierte Grundlagenforschung, die das Großprojekt Endlagerung voranbringen soll oder will, nicht immer den direkten Weg. Manchmal findet Forschung eine Antwort und wirft gleichzeitig mehrere neue Fragen auf. Manchmal stellt sie sicher Geglaubtes in Frage und macht damit anstrengende Reaktionen und Richtungsänderungen erforderlich. Sie eckt an, zweifelt und irrt. Aber nicht selten zeigt sich auch, dass der vermeintliche Umweg zu einer zuvor unbekannten Abkürzung führt.
Ob Abkürzung, geplante Strecke oder Umweg – auf dem Weg zur sicheren Endlagerung der hochradioaktiven Abfälle sind das Wissen, die Erfahrungen und die Experimentierfreude von Forschenden unverzichtbar. Nur mit Einbezug vielfältiger Kompetenzen und Meinungen, (selbst-)kritischem Hinterfragen, ergebnisoffenem Experimentieren und lebendigen Diskussionen, kann überzeugend dargelegt werden, dass tatsächlich das bestmögliche Endlager angestrebt und umgesetzt wird. Jungen Menschen bietet Forschung eine Chance, sich an vorderster Front von Wissenschaft und Technik auszuprobieren, Erfahrungen zu erwerben und Wissen zu vertiefen.
Das Projekt eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle in Deutschland hält dabei besonders interessante Fragestellungen bereit, unter anderem wegen der Langzeitdimension, der außergewöhnlich hohen Sicherheitsanforderungen und der Komplexität der Fragestellungen, deren Beantwortung das Zusammenwirken verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und neue Forschungsansätze wie Transdisziplinarität erfordert. Interessante Fragestellungen motivieren Berufsanfänger und aufgeschlossene Quereinsteiger*innen, sich näher mit der Entsorgung hochradioaktiver Abfälle auseinanderzusetzen. Damit fördert Forschung direkt, was das Endlagerprojekt am meisten benötigt: Gut ausgebildete, engagierte Menschen, die das Großprojekt Endlagerung in den kommenden Jahrzehnten weiter voran und schließlich ans Ziel bringen.