Zunehmende Arbeitskräfte- und Fachkräfteengpässe üben einen wachsenden Druck auf arbeitgebende Organisationen aus. Die Abdeckung des quantitativen und qualitativen Personalbedarfs wird zu einer schwerwiegenden Herausforderung, weil Personalengpässe oder akuter Mangel sogar noch weiter anzuwachsen drohen. So berichtet die Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für das vierte Quartal des Jahres 2023 einen Umfang von 1,73 Millionen nicht besetzten Stellen.
Blickt man weiter in die Zukunft, so zeigt die 15. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder aus dem Jahr 2022, dass bei einer moderaten Entwicklung von Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung je nach Zuwanderungsniveau bis zum Jahr 2035 das Erwerbspersonenpotenzial (= Bevölkerung Alter 20 bis 66) zwischen 1,6 Millionen und 4,8 Millionen sinken würde.
Die reale Erwerbstätigkeit wird allerdings jedoch zusätzlich durch die Erwerbsbeteiligung, die Qualifikation und die Arbeitszeit wesentlich beeinflusst. Hieraus ergeben sich komplexe Zusammenhänge. So weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer aktuell veröffentlichten Untersuchung darauf hin, dass das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen zwar gestiegen, die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit pro Beschäftigten jedoch gesunken sei. Diese Differenz ist durch eine steigende Erwerbsbeteiligung und eine steigende Teilzeitquote zu erklären, die vor allem Frauen betrifft.
Zwei wesentliche Zielsetzungen
Die angesprochene angespannte Situation führt zu einer teils hektisch geführten Diskussion um Abhilfe, die sich stark um die Arbeitszeit und ihre Ausgestaltung dreht. Hier sei jedoch davor gewarnt, zu schnell auf vermeintliche „Wundermittel” (etwa verlängerte Arbeitszeiten) zu setzen, die mit wenig Aufwand zur Lösung dieser Herausforderung beitragen könnten. Aus der Sicht von arbeitgebenden Organisationen und Beschäftigten sind zwei Zielsetzungen wesentlich:
- Organisationen müssen in einem komplexen Umfeldleistungs- und entwicklungsfähig sein und
- Mitarbeiter*innen suchen attraktive Arbeit zu entsprechenden Bedingungen bei zukunftsfähigen Arbeitgebern mit einer guten Reputation.
Es stellt sich daher die Frage, wie diese beiden Anforderungsperspektiven miteinander verbunden werden können.