Einblicke: In dieser Ausgabe des Einblicke-Magazins geht es um das immer wieder neu debattierte Verhältnis von uns, den Bürgerinnen und Bürgern, zu unserem Staat. Was ist Ihre Wahrnehmung – wie steht es aktuell um diese Beziehung?
Carsten Schneider: Jede Bürgerin und jeder Bürger hat zu Recht einen Anspruch auf einen funktionierenden Staat. Andererseits ist auch jede und jeder Einzelne dazu aufgerufen, einen Teil zu diesem Funktionieren beizutragen. Und mein Eindruck ist: Ein funktionierender Staat ist das beste Mittel gegen Radikalisierung. Das gilt besonders für die Daseinsvorsorge vor Ort oder den öffentlichen Nahverkehr.
Einblicke: Und welche Rolle hat darin der Umweltschutz?
Carsten Schneider: Die meisten Menschen lieben unsere Natur. Und gerade im Osten können sich auch noch viele daran erinnern, wie sie vor 40 Jahren aussah: Damals gab es stinkende Schaumkronen auf der Saale; heute jedoch kann man in ihr schwimmen. Da ist uns gemeinsam schon viel gelungen. Ich will, dass wir auf diese positive Erfahrung aufbauen für die Zukunft. Denn Umweltschutz ist gerade in diesen geopolitisch konfliktreichen Zeiten wichtiger denn je. Er trägt zu unserem Wohlstand bei, sorgt für Abertausende von Jobs in unserem Land und macht uns geopolitisch unabhängiger. Wer Rohstoffe recyceln kann und heimische erneuerbare Energien hat, ist klar im Vorteil.
Einblicke: Würde man Ihr Ministerium unter ein zentrales Schlagwort stellen, könnte das „Schutz“ sein. Was bedeutet der Schutzauftrag für Sie persönlich?
Carsten Schneider: Vor allem schützen wir uns selbst – unsere Kinder, unsere Gesundheit, unsere Lebensgrundlagen. Wir alle wünschen uns saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken. Ein Ausflug in eine intakte Natur gibt uns Kraft und Zuversicht. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Umweltschutz unser Leben enorm verbessert. Doch noch immer stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen wie dem Klimawandel oder Artensterben.
Einblicke: Sie sind Bundespolitiker, aber auch Bürger und Vater. Wenn Sie an die Zukunft Ihrer Kinder denken: Wie kann Politik als Generationenprojekt gelingen?
Carsten Schneider: Bei einem Generationenprojekt zählen Verlässlichkeit und Tempo. Dazu kommt: Polarisierung hilft nicht, sondern schadet. Darum versuche ich, das wichtige Thema Klimaschutz wieder aus der Polarisierung zu holen. Eigentlich sind wir uns doch alle darin einig, dass auch unsere Enkelkinder noch Winter mit Schnee erleben sollten. Auch bei den Hinterlassenschaften des Atomzeitalters können wir uns darauf einigen, dass es nicht sein kann, dass unsere Urenkelkinder unseren gefährlichen Müll wegräumen müssen. Manche tun so, als ließe sich das Atommüllproblem durch angebliche Wunderreaktoren irgendwann in Luft auflösen. Das belastet die öffentliche Akzeptanz, ist auch nicht mehr als alter Wein in neuen Schläuchen und setzt die gemeinsam gewollte Endlagersuche aufs Spiel. Die Wahrheit ist: An einem Endlager führt leider kein Weg vorbei.