Die Geschichte Gorlebens hat zu einem Umdenken der Verantwortlichen in Bezug auf die Endlagerung hochradioaktiver Abfallstoffe geführt und den Neustart der Endlagersuche nötig gemacht. Die Fronten zwischen Gegnern und Betreiber des Projektes sind mittlerweile deutlich aufgeweicht, man spricht miteinander, ist sich vertraut. Das hob auch Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI, positiv hervor, kritisierte aber gleichzeitig, dass das Bergwerk nicht geflutet oder verfüllt wird.
„Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte Gorlebens. Die festungsähnlichen Mauern waren ein Symbol für den Atomstaat. Jetzt haben wir eine ganz andere Phase. Die Endlagersuche wurde neu gestartet. Und Gorleben wird mitgeschleppt. Der Rückbau der oberirdischen Anlagenteile und der Abriss der Mauer wirken da ein wenig wie Oberflächenkosmetik. Gorleben ist und bleibt bei der Endlagersuche weiterhin gesetzt“, sagte Ehmke.
Ehmke und Studt hatten sich vergangenes Jahr am Rande des Antiatomkraft-Trecks der AG Schacht Konrad vor der BGE-Zentrale in Peine zufällig getroffen und darüber ausgetauscht, dass es doch gut wäre, in Gorleben einen Ort der Begegnung zu schaffen, um aus der Geschichte zu lernen. Das fand auch das Bundesumweltministerium (BMU) und gab Rückendeckung für erste Verhandlungen. Ein erster, ein wichtiger Schritt im angestoßenen Dialogprozess. Jochen Flasbarth, Staatssekretär des BMU, war ebenso wie Frank Doods, Staatssekretär des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, nach Gorleben gekommen, und erinnerte sich:
„Genau 40 Jahre ist es her, dass ich als junger Atomkraftgegner wütend auf den Staat hier demonstrierte. Heute vertrete ich diesen Staat und bin der Überzeugung, dass wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit mit dem eingeleiteten offenen und transparenten Verfahren etwas Positives für die Zukunft erreichen können.“ Zur Enttäuschung einiger Anwesender aus der Region stellte er auch klar: Die weiße Landkarte im laufenden Verfahren müsse eine weiße Landkarte bleiben. Das bedeutet, dass kein Standort, auch nicht Gorleben, vor Auswertung der Daten aus dem Verfahren ausgeschlossen werden könne.