Einblicke: Seit dem Jahr 2019 sind Sie Leiter der Gruppe Geomonitoring Asse. Welche Aufgaben erfüllen Sie und Ihr Team?
Lutz Teichmann: Aufgrund der hochbeanspruchten und bereits stark geschädigten tragenden Elementen und des bestehenden Lösungszutritts ist eine laufende Bewertung der Situation erforderlich. Um die Sicherheit für unsere Bergleute zu gewährleisten und um das Tragsystem für die geplante Rückholung zu stabilisieren, sind umfangreiche Sicherungs- und Verfüllmaßnahmen notwendig. Verändert sich der Gebirgszustand, wird dies vom Team beobachtet und dokumentiert. Weiterhin wird die Zusammensetzung der Lösung genauer untersucht, um Erkenntnisse über den Lösungszutritt und mögliche Änderungen zu erhalten. Dies gibt Aufschluss darüber, wie sich Fließwege verändern.
Daraus ergeben sich Rückschlüsse, welche Maßnahmen umzusetzen sind, um weiter zu stabilisieren und den Lösungszutritt beherrschen zu können. Zum Arbeitsalltag gehört zudem, dass alle unter Tage zum Einsatz kommenden Baustoffe analysiert werden. So wird die Qualität des verwendeten Materials sichergestellt.
Einblicke: Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?
Lutz Teichmann: Ich habe großen Respekt vor der gegebenen Situation. Gleichzeitig reizt mich genau diese Komplexität, die hier vorzufinden ist. Die laufende Bewertung der Messdaten und die Erarbeitung zielgerichteter Empfehlungen für die Stabilisierung des Tragsystems ist eine herausfordernde Arbeit. Ich sehe mich als Moderator, mit dem Anspruch detailliert über die Fakten im Bilde zu sein und das Team so durch die bevorstehenden Aufgaben zu manövrieren. Hierbei fasziniert es mich besonders, mit hochmotivierten und zum Teil noch recht jungen Fachleuten zusammenzuarbeiten. Wir profitieren voneinander, ich kann meine langjährige Erfahrung weitergeben und die jungen Wissenschaftler*innen bereichern das Vorhaben mit neuen Ansätzen.
Einblicke: Welche Punkte nehmen Sie aus dem Gebirgsbeobachtungsgespräch 2019 mit?
Lutz Teichmann: Das Tragsystem ist weiterhin stark beansprucht. Die in vielen Bereichen weiterhin ablaufenden Schädigungsprozesse belegen die immer noch herausfordernde Situation. Allerdings zeigen die Ergebnisse der Spannungs- und Verformungsmessungen sowie die Entwicklung der mikroseismischen Aktivität eine langsame Stabilisierung. Der Lösungszutritt hat sich 2019 insgesamt wenig verändert. Eine gesicherte Prognose ist hier aber nicht möglich. Damit besteht weiterhin die Gefahr, dass die Schachtanlage einem technisch nicht beherrschbaren Lösungszutritt ausgesetzt wird. Insgesamt betrachtet zeigt sich, dass die technischen Anlagen so ausgelegt sind, dass der momentane Lösungszutritt sicher gefasst werden kann.