Es kann kein Zuviel an Transparenz geben. Denn selbst was formal richtig ist, kann leichtfertig Vertrauen verspielen, wenn es nicht offen kommuniziert wird. Das hat auch die BGE lernen müssen. Sie hatte im Juli vier Gebiete benannt, in denen sie ihre Methoden entwickeln und verfeinern will. Untersucht werden soll, mit welchen Methoden aus den 90 Teilgebieten vielversprechende Standortregionen für eine übertägige Erkundung herausgefiltert werden können. „Zur Methodenentwicklung ist ein Gebiet nicht besser oder schlechter geeignet als andere Gebiete“, sagt BGE--Geschäftsführer Steffen Kanitz, trotzdem regte sich sofort Protest. „So geht das nicht“, empörte sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow: Zwei der ausgewählten Gebiete liegen auch auf Thüringer Boden. Im niedersächsischen Landkreis Harburg mit seinem Salzstock Bahlburg kritisierten Politik und Verwaltung, nicht vorab informiert worden zu sein. „Ein solches Vorgehen sorgt bei den Menschen vor Ort für Verunsicherung und Misstrauen“, sagte Landrat Rainer Rempe.
„Wir haben unterschätzt, wie sensibel bereits auf das Nennen von Gebieten, bei denen es nur um die Entwicklung von Methoden geht, reagiert wird“, sagt Wolfram Rühaak, Abteilungsleiter Sicherheitsuntersuchungen bei der BGE. „Wir haben den frühestmöglichen Zeitpunkt gewählt, um die Vorgehensweise transparent zu machen – dieses Vorgehen birgt immer die Gefahr, dass es mangels eines ausgefeilten Kommunikationskonzeptes zu Missverständnissen kommt“, sagt Geschäftsführer Steffen Kanitz. Das kann auch in Zukunft immer wieder vorkommen, aber die BGE wird an ihrem Versprechen festhalten, Sachverhalte und Vorgehen frühestmöglich zu veröffentlichen. Auch wenn das bedeutet, dass weiterhin unfertige Arbeitsstände zugänglich gemacht werden.
Dieses Versprechen sollte die BGE besser halten. Denn von ihrem Verhalten hängt entscheidend ab, ob die Standortsuche für das Endlager ein Erfolg werden kann. Oder ob doch wieder politische Gründe den Ausschlag geben. Diese Angst hat beispielsweise Amanda Hasenfusz, die in der dünn besiedelten Altmark in Sachsen-Anhalt lebt. „Hier gibt es eine sehr schöne Landschaft, aber wenig Menschen“, sagt die Atomkraftgegnerin. Sie befürchtet, dass die wissenschaftlichen nicht die entscheidenden Gründe sein werden, wenn es eines Tages zum Schwur kommt. „Am Ende wird doch wieder geschaut, wo wenig Menschen leben und wenig Widerstand zu erwarten ist“, sagt Hasenfusz. Denn am Ende entscheidet der Bundestag und damit die Politik.