Bevor das Endlager mit Spezialbeton verfüllt und stillgelegt wird, muss es in einem betriebssicheren Zustand verbleiben. Die Markscheider von Morsleben sind es, die jede Bewegung des Berges genau messen. Viel tut sich da aber nicht.
Mit vier Metern pro Sekunde geht es abwärts. Ein warmer Wind weht durch den offenen Fahrkorb, im Dunkeln sieht man das raue Gestein des Schachts vorbeiziehen. Nach anderthalb Minuten bremst die Kabine und hält sanft federnd auf der obersten von vier Sohlen des ehemaligen Salzbergwerks Morsleben. 386 Meter haben wir zurückgelegt – zum Vergleich: Deutschlands höchstes Bauwerk, der Berliner Fernsehturm, misst bis zu seiner Spitze 368 Meter.
Noch einmal etwa hundert Meter unter uns lagern jene schwach- und mittelradioaktiven Abfälle, die hier zwischen 1971 und 1991 und von 1994 bis 1998 deponiert wurden. Wenn das Bergwerk vollständig mit Spezialbeton verfüllt ist, werden die in 480 Metern Tiefe lagernden Abfälle langfristig sicher verwahrt sein. Doch noch ist die Stilllegung – damit ist die Verfüllung gemeint – nicht genehmigt. „Vor 2028 werden wir damit nicht beginnen können“, sagt der Werksleiter des Bergwerks, Frank-Holger Koch. „Bis dahin müssen wir das Bergwerk in einem betriebssicheren Zustand erhalten.“
Nach einem kurzen Fußweg über die hell erleuchtete Strecke klettern wir auf die Ladefläche eines Pick-ups und starten zu einer Fahrt durch ein Labyrinth von Gängen. Das Gestein ist so stabil, dass fast nirgends Sicherungsmaßnahmen notwendig sind. Nur im zentralen Teil des Bergwerks, wo der Salzabbau einst besonders intensiv betrieben wurde, war es in der Vergangenheit zu teils größeren Gesteinsabbrüchen gekommen. Aus diesem Grund wurden zwischen 2003 und 2011 in diesem Bereich 27 der insgesamt rund 700 ehemaligen Salzabbaue mit fast einer Million Kubikmetern Spezialbeton verfüllt – das entspricht der Ladung von ungefähr 120.000 Betonmischer-Lkw.