Dirk Alvermann arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Bergmann, heute ist er David Jeches Ausbilder. Auch er sagt: „Viele Nachbarn arbeiteten hier schon zu DDR-Zeiten, und wir haben gutes Geld verdient.“ Jetzt stehen Alvermann und Jeche auf der ersten Sohle im Bergwerk, auf der ersten Ebene, etwa 380 Meter unter Tage. Vier Sohlen tief reicht das Bergwerk. Die Luft ist trocken und warm wie an einem Spätsommerabend. Jeche trägt Arbeitsschuhe, die Spitzen vom Salz ganz weiß, einen gelben Helm, seine Hände hakt er in seinen blauen Overall. Dirk Alvermann stupst seinen Azubi an, zusammen steigen sie auf der ersten Sohle in eines der Fahrzeuge, die dort wie auf einem Parkplatz aufgereiht stehen.
Alvermann startet den weißen VW-Caddy und fährt los. 40 Meter geht es hinab, weiter in den Berg hinein, Kurve um Kurve hinunter auf die nächste Sohle. Einmal bremst Alvermann ab, vor ihm schwingen halbdurchsichtige Lamellenvorhänge beiseite, die das Entweichen der Frischluft verhindern. Alvermann steuert das Auto hindurch. Ein paar Kurven weiter stoppt er, greift aus dem Fenster und zieht an einem Seil, das von der Decke hängt. Das schaltet die Ampel auf Grün, denn in dieser Durchfahrt ist nur Platz für ein Auto.
Sie halten auf der zweiten Sohle, wo in einer haushohen Kammer Schaufellader auf Jeche warten, mit Rädern, die ihm bis zum Brustkorb reichen. Ein paar Ecken weiter steht eine Teilschnittmaschine. Mit ihr wird Jeche später Wände und Decken fräsen, um sie von losen Brocken zu befreien – bis sie von einem regelmäßigen, feinen Rillenmuster bedeckt sind. Das vereinfacht es für die Bergleute später, die Tunnel zu sichern.
Diese Maschinen wird Jeche in seiner Ausbildung zum Bergmann auseinanderbauen und wieder zusammensetzen, er wird lernen, was der Unterschied zwischen Steinsalz, Kalisalz und Anhydrit ist, wie er Strecken ausmisst, wie der Berg arbeitet. Manche Gänge sind nur einen halben Meter breit, Angst hat er aber keine. „Für mich ist da nüscht Gefährliches dran. Dieses Bergwerk ist ja absolut stabil.“ „Natürlich befinden wir uns hier tief unter der Erde“, sagt sein Ausbilder Dirk Alvermann. „Man muss sich also immer bewusst sein, wie viel Gestein über einem lagert, dass immer etwas passieren kann. Unsere Aufgabe als Bergleute ist es, diesen Berg zu beherrschen.“ Jeche wird mit seinen Kollegen das Bergwerk so lange am Leben erhalten und sichern, bis es stillgelegt und zusammen mit den radioaktiven Abfällen für immer verschlossen werden kann. Drei Dutzend Menschen arbeiten hier unten, neben den Bergleuten Vermesser, Aufsichten und Kfz-Mechatroniker.