Die Geschichte der Endlagerung radioaktiver Abfälle lässt sich nicht erzählen, ohne einen Blick auf die Nutzung der Kernenergie in Deutschland zu werfen. Nachdem die Entscheidung gefallen war, die Nutzung der Atomenergie endgültig zu beenden, war der Weg 2017 frei für einen Neuanfang in der Endlagerfrage. Wie ist es dazu gekommen?
Die deutsche Atomforschung war in den 1930er Jahren ziemlich weit vorn. Otto Hahn und Lise Meitner gelang es 1938 erstmals, eine Atomkernspaltung durch Neutronenbeschuss auszulösen. Im nationalsozialistischen Atomprogramm spielten allerdings beide keine Rolle mehr. Meitner, weil sie als Jüdin aus Deutschland flüchten musste. Hahn, weil er den Nationalsozialisten nicht zu Diensten sein wollte. Er hatte das Kaiser-Wilhelm-Institut verlassen, nachdem seine jüdischen Kolleginnen und Kollegen aus dem Institut gedrängt worden waren.
Über den Zweiten Weltkrieg hinweg fand ein weitgehend im Geheimen spielender Wettstreit zwischen Deutschland, den USA, der Sowjetunion und Japan um die erste Atombombe statt. Wie weit das deutsche Atomprogramm tatsächlich fortgeschritten war, wurde erst Jahrzehnte nach dem Krieg offenbar. Mit dem Abwurf der Atombombe auf das japanische Hiroshima wurde im August 1945 aber offensichtlich, dass die USA als erste über die neuartige Waffe verfügten. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima am 6. und Nagasaki am 9. August 1945 haben viele Physiker, die an der Entwicklung der Kernenergie beteiligt waren, zu Gegnern des Einsatzes der Technik im Krieg gemacht. Auch Otto Hahn gehörte zu den scharfen Kritikern der Entwicklung der Atombombe. Albert Einstein, der mit einem von ihm mitgezeichneten Brief an den Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt, das Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe angeregt hatte, entwickelte sich ebenfalls zum scharfen Kritiker und Pazifisten.