Einblicke: Lassen Sie uns auf eine Zeitreise gehen, sagen wir ins Jahr 6500. Dann wäre das Endlager ungefähr so alt wie heute die Cheops-Pyramide. Was hätte der Zahn der Zeit bis dahin mit den Betonfüllungen angestellt?
Matthias Mohlfeld: Viel bedeutsamer ist, was sich in dieser Zeit im Gebirge abspielt. Das Salz hat ja immer das Bestreben, Hohlräume zu schließen und Spannungen im Gebirge auszugleichen. Wenn es also nach der Verfüllung noch Hohlräume gibt, werden diese mit der Zeit verschwinden und das Gebirge vollständigen Kontakt zum Beton haben.
Bei den Abdichtungen stellen wir diesen Kontakt bereits beim Bau her. Der Druck des Gebirges auf den Abdichtungsbaustoff steigt. Klüfte können sich nicht bilden, das Ganze bleibt „wasserdicht“. Kurzum: Im Jahr 6500 werden alle Abdichtungen sowie der stützende Beton vom Salz fest umschlossen sein. Genau wie die eingelagerten Abfälle.
Einblicke: Wie bewerten Sie die Gefahr durch Lösungszutritte?
Matthias Mohlfeld: Derzeit laufen über das „Lager H“ rund zwölf Kubikmeter Salzlösung pro Jahr ins Bergwerk. Wie sich der Zutritt weiter entwickeln wird, ist ungewiss. Vielleicht füllt sich in diesem Zeitraum der von den Abfällen weit entlegene nördliche Teil der Grube Marie langsam mit Salzlösung. Das Sicherheitskonzept trägt diesem Umstand Rechnung und sieht gezielte Abdichtungen an entsprechenden Stellen vor. Die Abfälle werden auch in diesem Fall nicht mit Lösung in Kontakt kommen.
Einblicke: Es gibt zweifelsohne Risiken wie der Einschlag eines Meteoriten, die sich nicht kalkulieren lassen.
Matthias Mohlfeld: Ja, das stimmt. Aber wenn hier ein Meteorit einschlägt, der das Endlager in über 300 Meter Tiefe beschädigt, dann haben wir wohl ganz andere Probleme.