Im Norden Mecklenburg-Vorpommerns werden solche Anlagen bereits betrieben. In Lubmin bei Greifswald stand eines von zwei Kernkraftwerken der DDR. 1973 begann der Probebetrieb, 1974 ging das Kraftwerk Greifswald ans Netz. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde es abgeschaltet und 1995 endgültig stillgelegt. Heute ist die Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN) für den Rückbau der Kernkraftwerke der DDR zuständig. Vor Ort betreibt sie dafür eine Zentrale Aktive Werkstatt (ZAW) und das Zwischenlager Nord.
Der Rückbau eines Kernkraftwerkes ist nicht vergleichbar mit der Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II. „Während es in der Asse darum gehen wird, die zurückgeholten radioaktiven Abfälle so zu beschreiben und zu verpacken, dass sie sicher gelagert werden können, geht es bei uns erst einmal darum, den strahlenden vom nicht strahlenden Müll zu trennen“, sagt Kurt Radloff, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei der EWN.
Vor den Schleusentoren der ZAW landen sämtliche schwach- und mittelradioaktiven Metallabfälle aus dem Abriss des Greifswalder Kraftwerkes sowie des zweiten ehemaligen DDR-Atommeilers im brandenburgischen Rheinsberg. Sie sind kontaminiert, wie die Nukleartechniker*innen sagen: An ihren Oberflächen haften radioaktive Verunreinigungen – wobei diese durchaus tief sitzen können. Mit einmal abstauben ist es jedenfalls nicht getan. Bevor die Abfälle konditioniert werden, werden sie so gut es geht gereinigt. Am Ende soll nur der strahlende Rest der Rohre, Zahnräder und Armaturen verpackt werden müssen.
Mit einem Druck von bis zu sieben Bar feuern dazu Arbeiter*innen in der ZAW Hartgussgranulat auf kontaminierte Metallteile, eine Art Stahlschrot. So lange, bis das Metall blitzblank glänzt. Nebenan kommen Hochdruckreiniger zum Einsatz, die alle Terrassenbesitzer*innen neidvoll aufstöhnen lassen dürften. Mit einem Druck von bis zu 3000 Bar entfernen die Wasserstrahlen kontaminierte Lackschichten. Auch ein Bad mit 60-prozentiger Phosphorsäure und eine Elektrowanne, in der Ströme mit 2000 Ampere Verunreinigungen lösen, stehen bereit.