Einblicke: Christoph Komoß und Arnjo Sittig, mal ganz grundsätzlich: Warum sollten sich junge Menschen engagieren?
Christoph Komoß: Wir als junge Generation erben eine Welt, in der – vorsichtig formuliert – nicht alles zum Besten steht. Wenn wir alles so weiterlaufen lassen, wird sich daran nichts ändern. Daher würde ich sagen: Junge Menschen sollten sich nicht nur, sie müssen sich engagieren, denn sie werden noch lange Zeit in dieser Welt leben. Und ich bin optimistisch, dass wir durch unser Engagement eine Menge werden bewegen können.
Arnjo Sittig: Mich hat – damals war ich noch Schüler – „Fridays for Future“ politisiert. Seitdem ist mir klar: Wir können nicht einfach so weitermachen, wir müssen etwas ändern an unseren Einstellungen und an unserem Verhalten. Für mich war das der Anlass, mich zu engagieren. Zuerst bei „Fridays for Future“, dann bei anderen Initiativen, jetzt auch im Nationalen Begleitgremium, dem NBG. Wie Christoph richtig sagt: Wir erben eine Welt, in der vieles schiefläuft. Die Folgen unseres westlichen Lebensstils sorgen für Krisen überall auf der Welt. Gleichzeitig merken wir in vielen Staaten rundherum, wie dort schrittweise die Demokratie ausgehöhlt wird. Gegen all diese Entwicklungen müssen wir etwas tun. Wir müssen uns engagieren, sonst sind wir tatsächlich die letzte Generation.
Einblicke: Wenn sich Aktivist*innen der „Letzten Generation“ auf Straßen kleben, erleben sie viel Widerspruch – aber auch Aufmerksamkeit. Ihr hingegen engagiert euch weitgehend abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit als Bürgervertreter im NBG. Warum?
Christoph Komoß: Ehrlich gesagt: Das ist Zufall. Von 170 000 stichprobenartig und zufällig ausgewählten Menschen, die zu einer zweitägigen Veranstaltung über die Endlagersuche nach Berlin eingeladen wurden, war ich offenbar einer der wenigen, die sich aufgeschlossen zeigten. Nach diesen beiden Tagen musste ich mir eingestehen: Mein Interesse war geweckt. Wie findet man ein Atommüllendlager? Das finde ich spannend, da will ich gern dabei sein. Es ist eine tolle Möglichkeit, sich bei so einem wichtigen Thema zu engagieren und aus seiner Komfortzone rauszukommen. Mich und meine Generation wird die Endlagerung vermutlich noch 60 bis 70 Jahre begleiten. Umso wichtiger ist es, sich hier einzubringen.