Einblicke: Aber auch nach einem Einsatz kann es sein, dass die Kamerad*innen Hilfe brauchen? Wie steht es mit psychologischer Unterstützung?
Peter Osbelt: Das ist auf jeden Fall ein Thema. Schlimmstenfalls muss jemand geborgen werden. Das ist eine unserer schwierigsten Aufgaben, die wir übernehmen müssen. Da ist eine psychologische Betreuung sinnvoll. Das wird zum Glück im Unternehmen angeboten. Bei uns ist jemand im Büro verstorben. Zwei Mann haben vergeblich versucht, den Kollegen wieder zu beleben. Da war es sehr gut, dass es das Angebot psychologischer Hilfe gibt. Sprechen hilft.
Jens Wehrmaker: Wir haben die Möglichkeit, über die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Salzgitter oder der Stadt Salzgitter Notfallseelsorger anzufordern. Der kommt direkt zur Einsatzstelle. Als wir einen tödlich verletzten Kollegen bergen mussten – da muss man hinterher einfach drüber reden!
Andreas Berger: Die Problematik hatten wir bisher nicht. Aber die Möglichkeit besteht natürlich bei einer Feuerwehr immer. Man kann auch die Seelsorger vom Landkreis alarmieren. Aber solange es einen nicht betrifft, schieben wir es wahrscheinlich von uns weg.
Ingo Zipp: Jeder verarbeitet das anders – genau wie im normalen Leben. Der eine möchte reden, der andere geht einen trinken, der nächste schweigt.
Einblicke: Also das Angebot ist sinnvoll?
Jens Wehrmaker: Keiner wird alleine gelassen. Das mindeste ist, dass man sich nach dem Einsatz oder am nächsten Tag trifft. Seine Ausrüstung wieder auf Vordermann bringt und darüber redet. Nach einer Totenbergung waren wir natürlich erst einmal froh, dass der Einsatz vorbei war. Am nächsten Tag haben wir unsere Sachen zusammengepackt, unsere Ausrüstung gereinigt und geredet. Was da passiert ist und was wir hätten machen können. Wie schon gesagt, die einen wollen reden, die anderen nicht. Das wird ja auch nicht leichter, nur, weil man es öfter gesehen hat. Man verarbeitet nur schneller.
Einblicke: Und was war für Sie das schönste, prägendste Erlebnis in Ihrer Zeit in der Wehr?
Peter Osbelt: Wir hatten letztes Jahr einen Einsatz, Samstag um 22 Uhr etwa kam der Alarm. Da sind 15 Grubenwehrkameraden auf der Anlage erschienen, obwohl das deutsche Pokalendspiel war. Wir haben das Problem dann schnell in den Griff gekriegt. Der Adrenalinspiegel ist bei einem echten Einsatz ganz anders. Der Puls geht hoch. Wenn dann alles funktioniert und ineinandergreift, das ist ein schönes Gefühl. Man merkt: Dafür machst du das!
Jens Wehrmaker: Bei einer Alarmübung steht man ja so ein bisschen als Beobachter daneben. Wenn man sieht, das alle Zahnräder ineinandergreifen, dass das so funktioniert wie es funktionieren soll - das ist eine gewisse Genugtuung. Wenn es an so einem Tag alles funktioniert, ist man schon ein bisschen stolz auf die Arbeit, die man das ganze Jahr mit den Jungs da gemacht hat!