Endlager Konrad

Der Arbeitsschutz hat höchste Priorität

05. September 2025: Im zukünftigen Endlager Konrad ist bereits jetzt der Strahlenschutz im Einsatz. Doch was geschieht dort?

Die Schachtanlage Konrad im niedersächsischen Salzgitter ist das erste nach Atomrecht genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Deutschland. Zu Beginn der 2030er Jahre soll die Einlagerung von bis zu 303.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle beginnen. Obwohl noch kein Gramm radioaktiven Abfalls im zukünftigen Endlager Konrad ist, ist der Strahlenschutz auf der Anlage präsent. Über 550 Personen arbeiten täglich auf dem Gelände.

Grundsätzlich ist jeder Mensch täglich natürlicher, ionisierender Strahlung ausgesetzt. Etwa die Hälfte der jährlichen Strahlenbelastung auf den Menschen in Deutschland wird durch das Einatmen des radioaktiven Gases Radon verursacht. Das Gas ist unsichtbar und geruchslos, wir bemerken es nicht. Es entsteht beim radioaktiven Zerfall von natürlichem Uran und Thorium, die überall im Erdboden und Gestein vorkommen können. Schon in Kellerräumen von Wohnhäusern können sich durch Risse in den Wänden höhere Konzentrationen des Gases bilden und die Gesundheit gefährden.

Auf der Schachtanlage Konrad befinden wir uns bis zu 1.200 m unter der Erde. Früher wurde hier Eisenerz abgebaut, heute sind hier die Reste der Erzadern mit umgebendem Kalkstein. Da in dieser Region natürliches Uran und Thorium vorkommt, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also zwangsläufig mit Radon in Berührung kommen. Um dennoch die Arbeitssicherheit zu gewährleisten und die Gesundheit zu schützen, gibt es zwei wichtige Grundpfeiler im Strahlenschutz. Zum einen besteht in Untertagebergwerken eine Messpflicht und zum anderen ist auch ein Referenzwert von 300 Bq/m³ für die Radonbelastung an Arbeitsplätzen festgelegt. Mit geeigneten Maßnahmen wie zum Beispiel der Versorgung mit Frischluft – die Bewetterung – wird der Referenzwert dauerhaft eingehalten. Somit ist das Gesundheitsrisiko nicht höher als über Tage.

Gelbe Eimer und elektrische Geräte

Die moderne Messtechnik ist eines der wichtigsten Werkzeuge im Strahlenschutz. Da aktuell im Endlager Konrad das natürliche Radon den Hauptlieferanten der Strahlungsdosis für das Personal darstellt, wird die Radonkonzentration der Wetter an neuralgischen Punkten in der Grube überwacht. An etwa 20 Standorten im Bergwerk befinden sich dafür passive Radondosimeter in kleinen gelben Staubschutzeimern. Die Detektoren sind spannungsgeladen. Durch das Radon in der Luft baut sich diese Spannung kontinuierlich ab. Der Spannungsabfall ist proportional zur Radonkonzentration. Daraus ergeben sich die Messwerte für einen betrachteten Zeitraum. 

An weiteren Stellen werden elektronische Messgeräte eingesetzt. Mit diesen wird der zeitliche Verlauf der Radonkonzentration in den Wettern ermittelt. Die aktiven Messgeräte sind zwar wartungsintensiver, liefern aber auch Daten zu kurzzeitigen Schwankungen. Die robusten passiven Messinstrumente erfassen Langzeitwerte. „Wir haben jederzeit einen guten Überblick über die Strahlenbelastung an den wichtigen Stellen im Bergwerk. Sobald wir Veränderungen feststellen, können wir schnell reagieren. Der Arbeitsschutz hat für uns höchste Priorität,“ sagt Eric Teichert, Strahlenschutzingenieur.

Es werden ständig Messkampagnen durchgeführt, um Schwankungen der Radonkonzentration in den Wettern zu erkennen. Durch die Analyse der Daten können die Strahlenschützer*innen kritische Bereiche ermitteln, wo zusätzliche Schutzmaßnahmen notwendig sind oder bestehende nachgebessert werden müssen. Beispielweise wird zusammen mit der Wetterabteilung des Grubenbetriebes die Bewetterung an Arbeitsplätzen entsprechend des Referenzwerts eingestellt, damit die Gesundheit der Beschäftigten sichergestellt wird.

Aufmerksamkeit für die unsichtbare Gefahr

Eine der häufigsten Gefahrenursachen ist das menschliche Verhalten. Besonders in vertrauten Umgebungen, wie dem Arbeitsplatz, neigen Personen im Alltag zu Unachtsamkeit. Das betrifft das Bedienen schwerer Maschinen, aber eben auch den Umgang mit ionisierender Strahlung. Doch während bei dem einen die Gefahr augenscheinlich vorhanden ist, müssen Strahlenschützer*innen komplexe Sachverhalte klar und verständlich vermitteln, um alle Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren. Dafür gibt es extra Schulungen und Unterweisungen der Mitarbeitenden, um sie regelmäßig über den aktuellen Stand der Strahlenschutzvorschriften und die Handhabung von Schutzausrüstungen zu informieren. Durch diese Präventivmaßnahmen wird das Risiko gesenkt und ein sicherer Arbeitsplatz für alle geschaffen. 

Mit Beginn der Einlagerung von Abfallgebinden wird für alle Beschäftigten im radiologischen Teil der Anlage vor Tätigkeitsbeginn und anschließend jährlich eine Strahlenschutzunterweisung verpflichtend sein. Diese Unterweisung beinhaltet neben physikalischen und rechtlichen Inhalten auch den praktischen Umgang mit radioaktiven Stoffen sowie entsprechende Maßnahmen zur sicheren Arbeit.

Strahlenschutz entwickelt sich stetig fort

Durch die dauerhafte radiologische Überwachung des Endlagers Konrad wurden über viele Jahre Daten erfasst. Ein wertvolles Gut. Die Daten fließen wieder in regelmäßige Analysen ein, die wiederum als Grundlage für Optimierungsmaßnahmen dienen können. Es entsteht ein ständiger Kreislauf aus Datenerfassung, Datenaufbereitung und daraus resultierenden Anpassungen des Strahlenschutzkonzepts. So können nicht nur akute Gefahren vermieden, sondern auch in Zusammenarbeit mit der atomrechtlichen Aufsicht dauerhaft Verbesserungen herbeigeführt werden. 

Die Strahlenschützerinnen und Strahlenschützer leisten somit insgesamt einen wichtigen Beitrag für das ganzheitliche Arbeitsschutzsystem der BGE. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen. So werden nicht nur die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, sondern auch Potenziale erkannt und sinnvoll gefördert. Zum Zeitpunkt dieses Berichtes ist der betriebliche Strahlenschutz Konrad noch eine kleine Gruppe. Neben der untertägigen Radonüberwachung und der radiologischen Beweissicherung über Tage wird die genehmigungskonforme Auslegung aller Strahlenschutzsysteme für das Endlager geplant und zusammen mit weiteren Fachbereichen umgesetzt. 

Im zukünftigen Endlagerbetrieb wird der Strahlenschutz eine der größten Abteilungen der Anlage sein. Alle Arbeiten an und im naheliegenden Umfeld von Abfallgebinden werden vom Strahlenschutz durchgeführt oder bewertet. Auch sämtliche Tätigkeiten im betrieblichen Kontrollbereich über sowie unter Tage werden strahlenschutztechnisch begleitet. Mit der weitergehenden radiologischen Umgebungsüberwachung hilft der Strahlenschutz als Teil des gesamthaften Arbeitssicherheitssystems die Sicherheit für Mensch und Umwelt zu gewährleisten.