Asse

Die Asse muss weiter stabilisiert werden

12. Juli 2019: Sicheres Arbeiten ist in der Schachtanlage Asse II weiter möglich. Um den Stabilitätsverlust zu bremsen, raten die Fachleute des Instituts für Gebirgsmechanik Leipzig zu weiteren Verfüllungen. 

Im Gebirgsbeobachtungsgespräch 2018 haben Fachleute des Instituts für Gebirgsmechanik GmbH (IfG) aus Leipzig und der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihre Untersuchungsergebnisse aus dem vorherigen Jahr vorgestellt. Das Gespräch fand am 27. Juni 2019 in Schöppenstedt statt. In dem Gespräch wurde deutlich, dass bereits große Teile des Bergwerks verfüllt wurden (Stand Verfüllung 2017: 132.000 Kubikmeter, Stand Verfüllung 2018: 178.000 Kubikmeter). Durch die Verfüllung wird die Schachtanlage Asse II stabilisiert. Dadurch wird eine wesentliche Voraussetzung für die gesetzlich geforderte Rückholung der radioaktiven Abfälle geschaffen. Dennoch machten die Referenten deutlich, dass das Tragsystem nach wie vor nicht nachhaltig stabilisiert ist. Dies zeigt sich unter anderem an dem weiterhin hohen Niveau mikroseismischer Ereignisse (kleinste Erschütterungen im Erdboden) sowie kurzer Phasen einer erhöhten Stauchung der tragenden Pfeiler. Diese resultieren aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zum Beispiel wirken sich die bereits vorhandenen Vorschädigungen, der hohe Durchbauungsgrad sowie die lange Standzeit des Bergwerks negativ aus. Das IfG empfiehlt Firstspalte (neue Hohlräume, die entstanden sind, da sich das von 1995 bis 2004 eingebrachte Salzmaterial durch das eigene Gewicht verdichtet hat) und abgeworfene Grubenbaue (Bereiche des Bergwerks, die einen zu hohen Schädigungsgrad aufweisen oder nicht mehr benötigt werden) weiterhin zügig mit Salzbeton (Sorelbeton) zu verfüllen. Lokale Stützmaßnahmen zum temporären Erhalt der Bergbausicherheit sind ebenfalls erforderlich. Die Maßnahmen werden den großräumigen Schädigungsprozess zwar nicht nachhaltig verhindern, aber dennoch ein sicheres Arbeiten in den nächsten Jahren ermöglichen. Die Vorträge können Sie unter den folgenden Links abrufen:

Über das Gebirgsbeobachtungsgespräch

Die Gebirgsbeobachtungsgespräche sind ein jährlich stattfindendes Fachgespräch, in dem die Ergebnisse der Gebirgsbeobachtung vorgestellt und diskutiert werden. In diesem Jahr war die Veranstaltung bereits zum zweiten Mal als öffentliche Veranstaltung konzipiert, da das öffentliche Interesse am Thema sehr hoch ist. Anwesend waren Vertreterinnen und Vertreter des Landesamts für Bergbau und Geologie, des Bundes- und Landesumweltministeriums, der Bürgerinitiativen und der Arbeitsgruppe Optionen Rückholung (AGO), der beratenden Expertengruppe der Asse-2-Begleitprozess. Zudem waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gekommen, um sich aus erster Hand zu informieren.

Untersuchungsmethoden und Bedeutung für die Rückholung

Die Gebirgsbeobachtung wird auf der Schachtanlage Asse II von der Markscheiderei (untertägige Vermesser) und der Standortüberwachung durchgeführt. Die Gebirgsbeobachtung umfasst unter anderem folgende Aufgaben:
  • großräumige geotechnische Messungen
  • lokale Monitoringprogramme zur Bewertung der First- und Stoßsicherheit
  • Überwachung der zunehmend geschädigten Infrastrukturräume
  • Salzlösungsmonitoring
Ermittelt werden die Ergebnisse durch unterschiedliche Methoden. Diese sind im Wesentlichen:
  • Spannungsmessungen in den tragenden Elementen (Spannungsmonitorstationen)
  • Messungen von Längenänderungen im Gestein (Extensometermessungen)
  • Messungen der Verformungen des Gesteins (Konvergenzmessungen)
  • Lastmessungen des Versatzes in den ehemaligen Abbaukammern
  • Mikroseismik
  • Georadarmessungen
  • Mikroakustik
  • Überwachung von Rissen
Neben der geotechnischen Betriebsüberwachung findet ein intensives Monitoring der zutretenden Salzlösungen statt. Dies geschieht durch regelmäßige Befahrungen und Beprobung der einzelnen Auffangstellen. Hier werden zum einen die Auffangmengen sowie weitere Parameter wie Dichte, Temperatur oder elektrische Leitfähigkeit bestimmt. Zudem werden die Salzlösungen chemisch analysiert. Die Ergebnisse sind wichtiger Bestandteil für die Vorbereitung der Rückholung. Sie ermöglichen Rückschlüsse zur Stabilität des Tragsystems. In diesem Kontext werden auch die Notfallplanung und zusätzliche Maßnahmen im Falle eines auslegungsüberschreitenden Lösungszutritts (Notfall) ausgearbeitet.