Asse

Entsorgung des Salzwassers

05. September 2025: Den Strahlenschützer*innen über die Schulter geschaut: Wie gehen diese auf der Asse mit der eindringenden Salzlösung um?

Die Schachtanlage Asse II liegt im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel und in diesem alten Salzbergwerk wurden zwischen 1967 und 1978 rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Es ist Aufgabe der BGE, diese Abfälle zurückzuholen. Das ist eine besondere Herausforderung, denn die Asse ist instabil. 

Aber warum müssen die Abfälle zurückgeholt werden? Einer der Gründe dafür ist, dass seit Jahrzehnten Wasser in das Bergwerk eindringt, etwa 12,5 Kubikmeter pro Tag. In unterschiedlichen Tiefen in der Anlage wird die Salzlösung gefasst und zum allergrößten Teil nach über Tage gebracht. Es gibt jedoch auch Zutrittsstellen, an denen das nicht so einfach ist. Ein kleiner Teil der Lösung ist radioaktiv kontaminiert und kann nicht einfach abgegeben werden. Zwar sind das nur wenige Liter pro Tag, aber auch kleine Mengen radioaktives Material müssen sicher untergebracht werden. Schauen wir uns also an, wie der Bergwerksbetrieb und der Strahlenschutz auf der Asse mit dem Wasser umgehen.

Vor der Einfahrt in die Grube bekommen ausnahmslos alle ein Personendosimeter an die Kleidung gehängt, um noch die kleinste Belastung aufzuzeichnen. Dass die Messgeräte auch bei regelmäßig unter Tage arbeitenden Kolleg*innen 0,00 Mikrosievert anzeigen, ist kein Grund, darauf zu verzichten. Auch das Bergwerk und die eindringende Salzlösung werden fortlaufend kontrolliert. Daher ist nicht nur bekannt, welche chemische Zusammensetzung sie hat, sondern auch, wo die radioaktiv kontaminierte Lösung zu finden ist und welche Nuklide in ihr vorhanden sind. 

Einfahrten mit Besucher*innen kommen im Regelfall in 490 Meter Tiefe an. Auf dieser Ebene, bergmännisch Sohle genannt, ist auch ein Probenaufbereitungslabor vom Strahlenschutz eingerichtet. Hier wird die Lösung, die tiefer im Bergwerk aufgefangen und abgepumpt wird, untersucht und katalogisiert. Es ist keineswegs so, dass jede Probe, die dort ankommt, radioaktiv kontaminiert ist – aber selbstverständlich muss auch das immer überprüft werden. Neben normaler Arbeit im Labor ist also auch besondere Sorgfalt nötig, um eine Kontaminationsverschleppung, also das versehentliche Verteilen radioaktiver Stoffe, zu vermeiden. Ein Tropfen kann schon reichen. Die fertig beprobte Lösung wird anschließend im Rückstellprobenlager eingelagert und sicher verschlossen. „Dass die Proben so viele verschiedene Farben haben, sieht ganz spannend aus. Aber Sorgen, hier zu stehen, mache ich mir nicht. Denn wenn unsere Strahlenschützer*innen sagen, dass ich hier sein darf, dann ist das auch in Ordnung“, sagt Anna-Lena Zimmermann, Besucherführerin der Asse vor dem Regal.

Wenn die Salzlösung, die zum größten Teil auf der 725-Meter-Sohle gefasst wird, freigemessen ist, kann sie nach über Tage gebracht werden. Vorher wird sie in 490 Meter Tiefe in einem großen Becken gesammelt, bevor sie über Rohrleitungen abgepumpt wird. Zu sehen ist von dem vielen Wasser trotzdem kaum etwas, es ist mit riesigen Planen überhangen. Die sind dafür da, dass sich radioaktiver Wasserstoff – das Tritium – aus der Luft nicht an das Wasser bindet und es somit kontaminieren würde. Manchmal kann Strahlenschutz so einfach sein.

Bei der radioaktiven Lösung ist das anders. Die muss nicht nur in sicher verschlossenen Behältern gelagert werden, sondern immer auch in Strahlenschutzbereichen. Stärker kontaminierte Lösung wird erst in diesen sichereren und klar abgetrennten Bereichen gesammelt und dann zur Landessammelstelle Niedersachsen gebracht. Weniger radioaktiv kontaminierte Lösung darf zur Baustoffherstellung unter Tage verwendet werden. Hierzu wird in 800 Meter Tiefe – im Grubentiefsten – Sorelbeton hergestellt. Das ist ein spezieller Salzbeton aus Magnesiumoxid, Magnesiumchloridlösung und Steinsalz. Der wird an vielen verschiedenen Stellen im Bergwerk verwendet, um nicht mehr benötigte Hohlräume zu verschließen und es so zu stabilisieren. Unterhalb der Einlagerungskammern in 750 Metern Tiefe jedoch können alte Abbauten mit Sorelbeton verfüllt werden, der mit radioaktiver Lösung versetzt wird. Dafür wird, streng nach den Strahlenschutzregeln, vor Ort ein temporärer Strahlenschutzbereich eingerichtet, Schutzkleidung angelegt, um eine mögliche Kontaminationsverschleppung zu vermeiden. 

Selbst die Gabeln eines Gabelstaplers, der die Behälter mit der radioaktiven Lösung heranbringt, werden auf Kontamination geprüft. Die Radioaktivität des fertigen Betons ist sehr gering. Die enthaltene Aktivität von Tritium liegt im Mittel bei etwa 100 Becquerel pro Gramm und damit in Höhe der Freigrenze, die von Cäsium-137 bei rund 1 Bq/g – über der Freigrenze, aber immer noch nicht stark strahlend. Um die mögliche Strahlenbelastung für die Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten, wird dieser Beton nur unterhalb der Einlagerungskammern und nur dort verwendet, wo auch bei der zukünftigen Rückholung keine Arbeiten mehr stattfinden werden. Insgesamt wurden auf diese Weise bislang 134 Kubikmeter radioaktiv kontaminierte Salzlösung verarbeitet, die damit nicht nach über Tage und zur Landessammelstelle gebracht werden mussten – auch so werden weitere Strahlenbelastungen vermieden. 

Auch wenn man unter Tage keinen Strahlenschutzbereich gesehen hat, nicht am Probenaufbereitungslabor vorbeigekommen ist und nicht bei der Herstellung von radioaktivem Sorelbeton dabei war: Bei der Ausfahrt ist das Thema Strahlenschutz wieder präsent, denn die Personendosimeter werden wieder ausgelesen und zurück in die Ablagefächer gelegt. Die Kolleg*innen des Strahlenschutzes sind nicht nur unter Tage, sondern auch mit der Überwachung der Umgebung des Bergwerks betraut. Regelmäßig fahren sie die Umgebung ab, um verschiedene Messungen der Luft und des Bodens durchzuführen und Boden- oder Pflanzenproben zu nehmen. Genauso wie unsere Salzwasserproben von der 490 Meter-Sohle werden diese im übertägigen Strahlenschutzlabor auf dem Werkgelände genau untersucht – teilweise mit Messzeiten von bis zu drei Tagen, wie mit dem Gammaspektrometer. Denn auf der Asse gilt immer: Egal welchen Weg das Wasser nimmt – Sicherheit geht vor.