Bei der radioaktiven Lösung ist das anders. Die muss nicht nur in sicher verschlossenen Behältern gelagert werden, sondern immer auch in Strahlenschutzbereichen. Stärker kontaminierte Lösung wird erst in diesen sichereren und klar abgetrennten Bereichen gesammelt und dann zur Landessammelstelle Niedersachsen gebracht. Weniger radioaktiv kontaminierte Lösung darf zur Baustoffherstellung unter Tage verwendet werden. Hierzu wird in 800 Meter Tiefe – im Grubentiefsten – Sorelbeton hergestellt. Das ist ein spezieller Salzbeton aus Magnesiumoxid, Magnesiumchloridlösung und Steinsalz. Der wird an vielen verschiedenen Stellen im Bergwerk verwendet, um nicht mehr benötigte Hohlräume zu verschließen und es so zu stabilisieren. Unterhalb der Einlagerungskammern in 750 Metern Tiefe jedoch können alte Abbauten mit Sorelbeton verfüllt werden, der mit radioaktiver Lösung versetzt wird. Dafür wird, streng nach den Strahlenschutzregeln, vor Ort ein temporärer Strahlenschutzbereich eingerichtet, Schutzkleidung angelegt, um eine mögliche Kontaminationsverschleppung zu vermeiden.
Selbst die Gabeln eines Gabelstaplers, der die Behälter mit der radioaktiven Lösung heranbringt, werden auf Kontamination geprüft. Die Radioaktivität des fertigen Betons ist sehr gering. Die enthaltene Aktivität von Tritium liegt im Mittel bei etwa 100 Becquerel pro Gramm und damit in Höhe der Freigrenze, die von Cäsium-137 bei rund 1 Bq/g – über der Freigrenze, aber immer noch nicht stark strahlend. Um die mögliche Strahlenbelastung für die Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten, wird dieser Beton nur unterhalb der Einlagerungskammern und nur dort verwendet, wo auch bei der zukünftigen Rückholung keine Arbeiten mehr stattfinden werden. Insgesamt wurden auf diese Weise bislang 134 Kubikmeter radioaktiv kontaminierte Salzlösung verarbeitet, die damit nicht nach über Tage und zur Landessammelstelle gebracht werden mussten – auch so werden weitere Strahlenbelastungen vermieden.
Auch wenn man unter Tage keinen Strahlenschutzbereich gesehen hat, nicht am Probenaufbereitungslabor vorbeigekommen ist und nicht bei der Herstellung von radioaktivem Sorelbeton dabei war: Bei der Ausfahrt ist das Thema Strahlenschutz wieder präsent, denn die Personendosimeter werden wieder ausgelesen und zurück in die Ablagefächer gelegt. Die Kolleg*innen des Strahlenschutzes sind nicht nur unter Tage, sondern auch mit der Überwachung der Umgebung des Bergwerks betraut. Regelmäßig fahren sie die Umgebung ab, um verschiedene Messungen der Luft und des Bodens durchzuführen und Boden- oder Pflanzenproben zu nehmen. Genauso wie unsere Salzwasserproben von der 490 Meter-Sohle werden diese im übertägigen Strahlenschutzlabor auf dem Werkgelände genau untersucht – teilweise mit Messzeiten von bis zu drei Tagen, wie mit dem Gammaspektrometer. Denn auf der Asse gilt immer: Egal welchen Weg das Wasser nimmt – Sicherheit geht vor.