Einblicke: Was sind Ihre konkreten Aufgaben?
Dr. Axel Liebscher: Ich leite die Abteilung Forschung im Bereich Standortauswahl der BGE. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen plane und koordiniere ich Forschungsvorhaben innerhalb der Endlagersuche. Wir führen Forschungsvorhaben durch und unterstützen bei deren Umsetzung. Die Forschungsergebnisse führen wir als wissenschaftlich-technische Grundlagen zur Umsetzung der Endlagersuche sowie der kontinuierlichen Fortschreibung des Stands von Wissenschaft und Technik zusammen. Darüber hinaus vertreten wir die BGE auf nationaler und internationaler Ebene in Forschungsprogrammen, -kooperationen und -gremien und präsentieren unsere Forschungsergebnisse auf nationalen und internationalen Tagungen sowie anderen Veranstaltungen.
Einblicke: Was sind das für Forschungsvorhaben?
Dr. Axel Liebscher: Aufgrund der Breite und Komplexität unserer Aufgaben sind auch unsere Forschungsvorhaben sehr unterschiedlich – sowohl mit Blick auf ihre Themen als auch die Art ihrer Umsetzung. Ziel des inzwischen abgeschlossenen Forschungsvorhabens Subrosion (PDF, 0,14MB) war es zum Beispiel, die Verbreitung, Entstehungstiefe und das Ausmaß von möglichen Lösungsprozessen im einschlusswirksamen Gebirgsbereich und im Deckgebirge zu untersuchen. Die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens sind direkt in unsere Arbeiten in Phase I des Standortauswahlverfahrens eingeflossen. HotBENT (PDF, 0,11MB) hingegen ist ein Langzeitexperiment, das wir zusammen mit internationalen Partnern im Schweizer Felslabor Grimsel durchführen. In diesem Experiment geht es um den Einfluss höherer Temperaturen auf Bentonite, die als Verfüllmaterial im Endlager in Frage kommen.
Einblicke: Warum ist Forschung so wichtig für die Endlagersuche?
Dr. Axel Liebscher: Wir müssen bei der Endlagersuche die höchsten Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. Das Standortauswahlgesetz fordert, dass die Endlagersuche wissenschaftsbasiert abläuft. Zudem handelt es sich bei der Endlagersuche um ein mehrere Jahrzehnte dauerndes Vorhaben, bei dem sich Methoden und Wissen kontinuierlich weiterentwickeln, wir also ständig dazulernen. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, offene Fragen zu beantworten, noch vorhandene Ungewissheiten zu reduzieren und Verbesserungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen, ist Forschung unumgänglich. Darüber hinaus ist Forschung eine zentrale Grundlage für den Austausch und die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern und Partnerinnen.
Einblicke: Welche Berührungspunkte hatten Sie mit dem Thema, bevor Sie zur BGE gekommen sind?
Dr. Axel Liebscher: Privat gab es erste Berührungspunkte bereits in den 1980er Jahren im Rahmen der damaligen Anti-AKW-Proteste. Beruflich begleitet mich das Thema auch schon mehr als zehn Jahre lang. Bevor ich 2021 zur BGE gekommen bin, war ich Leiter des Fachgebiets Forschung beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und habe am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam den Bereich Geologische Speicherung verantwortet.
Einblicke: Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Die Arbeit im Projekt Endlagersuche bedeutet für mich...
Dr. Axel Liebscher: …wissenschaftlich spannende Fragestellungen in einem gesellschaftlich wichtigen Projekt bearbeiten zu dürfen.