Meldung – Standortsuche

Standortsuche: Warum schließt die BGE nicht erst einmal die Siedlungen aus? Rückschau zur Veranstaltung in Wolfenbüttel am 22. Oktober

Rund 80 Bürgerinnen und Bürger haben sich am 22. Oktober 2018 in Wolfenbüttel in der Lindenhalle über den aktuellen Stand der Arbeiten bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle informiert. Dr. Jörg Tietze, Bereichsleiter Standortauswahl, und Dr. Jennifer Klimke, stellten den Stand der Arbeiten vor. Zuvor stellten Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), und Steffen Kanitz, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, das Unternehmen und das Standortauswahlverfahren vor. Stefan Studt sagte: "Fordern Sie uns heraus!" Die BGE will sich bei der Standortsuche von Anfang an in die Karten schauen lassen – und werde zuhören.

Wie die BGE die Ausschlusskriterien anwenden will, war schon am 17. Oktober in Peine erstmals Thema. Doch die Diskussion drehte sich in Wolfenbüttel auch um einige Themen, die in Peine noch keine Rolle gespielt hatten. So fragte beispielsweise ein Kommunalpolitiker, der sich auch in einer Bürgerinitiative für die Räumung der Asse einsetzt, warum die BGE nicht zunächst einmal die Wohnbebauung als untauglich für den Bau eines Endlagers ausschließt. Tatsächlich sieht das Standortauswahlgesetz (StandAG) jedoch vor, dass die Frage, ob Menschen unmittelbar in der Nähe eines möglicherweise geeigneten Standorts leben, erst in einer späteren Phase des Auswahlverfahrens berücksichtigt werden kann – nicht muss. Warum das so ist, stellte Steffen Kanitz in der Diskussion klar: Wenn ein Endlager 1000 Meter von Wohnhäusern entfernt liege, gelte es nach den Vorgaben des StandAG als ein "geeigneter Standort", bei 500 Metern sei er immernoch "bedingt geeignet". Wer sich überlege, wo die Menschen von 70.000 Jahren gelebt hätten wisse, dass Wohnbebauung kein Kriterium für lange Zeiträume sei, stellte Kanitz fest. Und ob eine Stadt in einer Million Jahre noch immer bewohnt werde oder überhaupt Reste von ihr noch zu finden seien, sei ungewiss. An dieser Frage bissen sich allerdings mehrere Fragestellerinnen und Fragesteller etwas fest.

Ein anderer Bürger wollte wissen, wie das Endlager denn gegen Meteoriteneinschläge geschützt werden solle. Wenn es kleinere Meteoriten seien, antwortete Jörg Tietze, dann würden die mindestens 300 Meter Deckschicht oberhalb des Endlagers dafür ausreichen. Bei einem Meteoriteneinschlag wie dem, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausgelöscht hat, der sämtliches Leben auf der Erde unmöglich machen würde, "ist die Frage vielleicht gar nicht mehr so relevant", meinte er. Denn den würde die Menschheit auch nicht überleben und niemand wisse, wie sich das Leben danach weiter entwickeln könnte.

Viele Fragen drehten sich um die Sicherheit des Endlagers, die Anforderungen an die Sicherheit und die Vorbereitung auf vorhersehbare Ereignisse wie die globale Erhitzung oder nicht vorhersehbare Entwicklungen wie künftige Eiszeiten. Diese Fragen werden, sagte Jörg Tietze, mit Hilfe von Sicherheitsuntersuchungen betrachtet. In eine ähnliche Richtung ging die Frage, ob denn auch der tiefe Untergrund unterhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone der Nord- oder Ostsee mit in die Betrachtung einbezogen werde. Das dürfte nach Einschätzung von Jörg Tietze aber im Einlagerungsbetrieb schwierig werden. Denn wie sollte ein Endlager befüllt werden, wenn es jederzeit voll Wasser laufen könnte? Weitere Fragen drehten sich um die Schwierigkeit, über geologische Zustände Prognosen über einen so langen Zeitraum hinweg abzugeben.

Über Betrifft: Standortauswahl

„Betrifft: Standortauswahl“ ist eine Veranstaltungsreihe und ein Forum für interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die BGE informiert über den aktuellen Stand der bundesweiten Suche nach einem Endlager für hoch radioaktive Abfälle. Es besteht die Möglichkeit, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bereichs Standortauswahl der BGE ins Gespräch zu kommen.

„Betrifft: Standortauswahl“ wird fortgesetzt am:

  • Mittwoch, 28. November 2018, 18:30 Uhr im Hotel Melià Berlin, Raum Barcelona, Friedrichstraße 103, 10117 Berlin

Rund 80 Bürgerinnen und Bürger haben sich am 22. Oktober in der Wolfenbüttler Lindenhalle über die aktuellen Arbeiten der BGE auf der Suche nach dem bestmöglichen Endlagerstandort informiert.