Eine stabile Lösungsfassung in der Schachtanlage Asse II ist eine wesentliche Voraussetzung für ein sicheres Arbeiten unter Tage und damit auch für die Rückholung der radioaktiven Abfälle. „Bisher gingen unsere Modellvorstellungen davon aus, dass sich die in die Asse eindringende Salzlösung durch kleine Risse im aufgelockerten Salzgestein langsam nach unten bewegt. Diese Modelle müssen nun angepasst werden. Wir können heute davon ausgehen, dass die im Abbau 3/658 angetroffene Spalte der entscheidende Fließweg für die weiterhin an Steinsalz gesättigte Salzlösung ist“, sagt Dr. Ralf Holländer, Abteilungsleiter Geowissenschaften.
Die lösungsführende Spalte war bei Sanierungsarbeiten im Bereich der ehemaligen Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene entdeckt worden. Als die Hauptauffangstelle im Jahr 1997 errichtet wurde, gab es diese noch nicht. Wann sie sich gebildet hat, ist derzeit noch unklar. Der Rückgang der Fassungsraten an der ehemaligen Hauptauffangstelle 2024 steht jedoch mit der Bildung der Spalte im Zusammenhang, weil der Salzwasserstrom sich inzwischen verlagert hat und an der alten Auffangfolie vorbeigeflossen ist. „Form und Oberfläche der Spalte legen eine Entstehung durch Fließprozesse der Salzlösung, verbunden mit Materialabtragung, nahe. Dadurch kann sich der Verlauf der Spalte ändern“, erläutert Dr. Holländer. Seit die BGE die Salzlösung direkt an dieser Spalte auffängt, kann sie in diesem Bereich wieder rund 12,5 Kubikmeter täglich fassen. Die Fassungsraten auf den darunterliegenden Ebenen sanken wieder auf das frühere Niveau von rund 0,5 Kubikmeter pro Tag.
Aufgrund der neuen Erkenntnisse hat die BGE ihr Fließwegemodell angepasst. Welche Auswirkungen dies im Einzelnen hat, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Belastbare Aussagen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Sicher ist, dass die BGE auch in Zukunft weitere Maßnahmen zur Sicherung einer stabilen Lösungsfassung prüfen, planen und umsetzen muss, um ein sicheres Arbeiten in der Schachtanlage Asse II zu ermöglichen.